Akademie der Künste: Breite Koalition gegen Willkür von Finanzämtern

Erschienen am 22.03.2013 13:00 auf dem Blog der Akademie der Künste

Breite Koalition gegen Willkür von Finanzämtern
Für eine Gleichstellung freischaffender Bühnenkünstler
In der Akademie der Künste verständigten sich am 21. März 2013 zahlreiche Künstler und Vertreter von Verbänden der Darstellenden Kunst mit Abgeordneten der im Bundestag vertretenen Parteien und Vertretern der Ministerien über die Notwendigkeit, in der Umsatzbesteuerung von Bühnenschaffenden umgehend für Rechtssicherheit zu sorgen.
Zwischen den Beteiligten herrschte Einigkeit darüber, nicht nur Regisseure und Choreographen den Schauspielern, Tänzern und Dirigenten gleichzustellen und damit von der Umsatzsteuer zu befreien, sondern auch die Leistungen von Bühnen- und Kostümbildnern als gleichwertige künstlerische, urheberrechtlich geschützte Beiträge anzuerkennen und höchstens mit dem ermäßigten Umsatzsteuersatz zu besteuern. Es entspricht zunehmend der künstlerischen Praxis, dass Bühnenaufführungen Ergebnis kollektiver Arbeitsprozesse sind.
Freischaffende Bühnenkünstler dürfen nicht weiter der Willkür von Finanzämtern ausgesetzt sein, die deren Arbeit in letzter Zeit verstärkt als Dienstleistung ansehen und mit dem Höchststeuersatz belegen.

Klaus Staeck
Präsident der Akademie der Künste
Ulrich Matthes
Direktor der Sektion Darstellende Kunst

Berlin: Kurzes Resümee über das Gespräch „Umsatzbesteuerung der Bühnenschaffenden“

Die Akademie der Künste und der Rat für die Künste haben am 21. März 2013 zu einem Gespräch am Runden Tisch eingeladen.

Thema  war “Umsatzbesteuerung für Bühnenschaffende”

Sie können eine kurze Zusammenfassung dieses Gespräches in der Steuerkampftruppe der Kostüm- und Bühnenbildner lesen.

Siehe im Menü unter Gruppen.

Akademie der Künste Berlin: Gespräch über die „Umsatzbesteuerung der Bühnenschaffenden“

Die Akademie der Künste und der Rat für die Künste laden ein zu einem Gespräch am Runden Tisch.
Thema  “Umsatzbesteuerung für Bühnenschaffende”
Künstler und Politiker werden mit steuerfachlicher Unterstützung über die jetzige Gesetzeslage sowie die finanzverwalterische und künstlerische Praxis sprechen.
Eingangsstatements u.a. von:
  • Prof. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste
  • Ulrich Matthes, Direktor der Sektion Darstellende Kunst der Akademie der Künste
  • Ulrich Khuon, Vorsitzender der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins / Rat für die Künste
  • Michael Freundt, Geschäftsführer des Dachverbandes Tanz und stellvertretender Direktor von ITI Germany
  • Martin Heering, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Theater
Ort: Der Plenarsaal der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin.
Zeit:  Am 21. März 2013 von 16.00 bis 18.00 Uhr
Um Anmeldung bis zum 19. März 2013 unter Tel.: 030-200571548 oder darstellende_kunst@adk.de wird gebeten.

 

Eine Zusammenfassung der Gesprächs-Inhalte als PDF.

Umsatzbesteuerung_Bühnenschaffende

Berlin: „alt vertrautes – neu entdecken“ im Museum Europäischer Kulturen

Objekte des Alltags, Kleidung, Fotografien, Möbel, Objekte und Spielzeug der ländlichen Bevölkerung aus Kleinpolen sind in dieser Ausstellung zu sehen und zeugen von Lebenszusammenhängen und von eigenwilligem gestalterischem Ausdruck, des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Intension der polnischen Kuratorinnen, die anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Ethnografischen Museums Krakau ausgewählte Stücke der Sammlung hier auf 380 qm gegenüberstellt, besteht die Möglichkeit für den europäischen Besucher seine persönliche Assoziationskette an Kindheitserinnerung zu wecken.

Wer sich für die polnische Kultur, ihr ländliches Leben und für eigenwillige Biographien interessiert, findet hier Inspiration anhand der ausgestellten Objekte.

Heródek Figuren

Heródek Figuren

Heródek, eigtl. Karol Wójciak (1892-1971) – Bildhauer aus Lipnica Wielka im Süden von Kleinpolen (Malopolska). Er lebte zurückgezogen in einem Pferdestall, der ihm auch als Werkstatt diente. Seine Skulpturen fertigte er aus Wurzeln und Holzscheiten an und erzählte Geschichten über sie. Die größeren stellte Heródek auf einer Wiese auf, damit sie die Menschen zu einem frommen Leben bewegten.

Die Sonderausstellung im Museum Europäischer Kulturen Berlin findet vom 9. März bis 30. Juni 2013 statt.

Riccarda Merten-Eicher: Kostümbildner

In den letzten Monaten hat das Kostümforum mehrfach darüber informiert, wie die Finanzbehörden uns Kostüm- und Bühnenbildner/-innen neuerdings den Status als Künstler/-in bestreiten und uns dem Handwerk zuordnen wollen.

Um so mehr freue ich mich über Riccarda Merten-Eichers unlängst erschienenes Buch Kostümbildner in Film, Fernsehen und TheaterIn der Tat wäre zu wünschen, dass die Mitarbeiter/-innen der genannten Behörden und die für Kultur zuständigen Politiker/-innen sich anhand seiner vor Augen führen lassen, wie anspruchsvoll unser Beruf nicht nur in handwerklicher, sondern auch in künstlerischer Hinsicht ist.

So wird eingangs nicht allein umrissen, über welches umfangreiche Spektrum an Fähigkeiten und Fertigkeiten ein/-e Kostümbildner/-in verfügen muss und wie vielfältig sich die Herausforderungen in unseren verschiedenen Tätigkeitsfeldern gestalten können. Es wird dabei zugleich auch verdeutlicht, dass unsere Arbeit einen vollwertigen künstlerischen Beitrag darstellt:

Die Kostümbildner bestimmen im Sinne des Urheberrechts das visuelle Erscheinungsbild der im Filmwerk agierenden Figuren und sind so maßgeblich am Gesamtkunstwerk beteiligt. (S. 14)

Diese Aussage sollten sich neben den Finanzbehörden und der Politik gleicherweise die zu Herzen nehmen, mit den wir unsere Verträge schließen. Umgekehrt kann sie – wie das Buch im Ganzen – dazu beitragen, uns in unserem Selbstverständnis zu bestärken.

Darüber hinaus werden auch gestandene Kostümbildner/-innen in diesem anregenden Buch mannigfache Gelegenheit finden, ihre Erfahrungen mit denen einer Kollegin abzugleichen, die weiß, wovon sie spricht.

Hierbei steht die Arbeit beim Film im Vordergrund. Ausführlich werden die technischen und künstlerischen Vorbereitungen zu Projekten, die Realisation, der Drehablauf und die Abwicklung dargestellt.

Besonders schön ist es, dass die Autorin in diesem Zusammenhang mehrere Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Departments sowie Rückblicke auf eigene Kostümbildarbeiten eingebaut hat.

Das Kapitel zum Kostümbild für die Bühne wird ebenfalls mit einem solchen Gespräch abgerundet.

Damit gibt Merten-Eicher nicht nur einen sachkundigen Überblick über die wichtigsten Aspekte unseres Berufs, sondern auch lebensnahe Einblicke in den beruflichen Alltag.

160 Seiten
20 s/w-Abbildungen
13,5 x 21,5 cm
€ 16,90

ISBN 978-3-89487-717-0

München: Eine Solidaritätserklärung

Ich freue mich, Herrn Fabian Iberls Solidaritätserklärung hier auf dem Blog veröffentlichen zu können. Als Ingenieur für Theatertechnik hat er einen klaren Blick auf die ungeklärte und widersprüchliche Praxis der Finanzämter, Theatergagen der Kostüm- und Bühnenbildner mit 19 % Umsatzsteuer zu belegen.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Unbehagen habe ich in der frisch erschienen Bühnentechnischen Rundschau als erstes den Artikel “Bühnen- und Kostümbild: Kunst oder Dienstleistung” gelesen. Ich bin Konstrukteur und stellvertretender Werkstättenleiter an an einem der Münchner Theater und habe in dieser Funktion täglich mit Szenografen zu tun. Ich muss zugeben, dass mir die Problematik Umsatzsteuergesetz im Zusammenhang mit den Gagen der Kostüm- und Bühnebildner bisher so nicht bewusst war. Als nebenberuflich auf eigene Rechnung arbeitendes “Ein-Mann-Kleinunternehmen” (Ingenieur für Theatertechnik) ist mir der Umgang mit dem Umsatzsteuergesetz jedoch bestens vertraut.

Beim Lesen des Textes ist mir aufgefallen, dass die Handhabung der Umsatzsteuer in der freien Wirtschaft grobe Differenzen zu der im Fall der Künstlergagen am Theater aufweist. Meine Gedanken sind folgende:

In der freien Wirtschaft ist die Umsatzsteuer für die Unternehmen/Dienstleister/Firmen usw. ein Durchlaufposten. Die Umsatzsteuer bezahlt am Ende der Konsument/Kunde/Endverbraucher. Das zeigt sich daran, dass Unternehmen die auf ihre eigenen Einkäufe entfallende Umsatzsteuer mit den von Endverbrauchern vereinnahmten Umsatzsteuerbeträgen verrechnen. Die Unternehmen übernehmen damit zwar die formale Abwicklung und die damit verbundene Bürokratie der Umsatzsteuereinnahmen, tatsächlich bezahlen tut die Umsatzsteuer aber der Verbraucher. Bei der Umsatzsteuer handelt es sich im Grunde genommen um eine Konsumsteuer, deren Bezeichnung unglücklich gewählt wurde.

Anders offensichtlich bei den Künstlergagen am Theater: hier sollen die Künstler die Umsatzsteuern sozusagen stellvertretend für die eigentlichen “Endverbraucher”, nämlich die Theater bezahlen. Mit einem fadenscheinigen Argument obendrein: die Kassen der Theater sind klamm, deshalb lässt sich die Umsatzsteuer nicht an den Endverbraucher Theater durchreichen. Das ist aber ein Totschlagargument, das vor allem von der Tatsache geschürt wird, dass man die Bezahlung der Künstler einmal als Gage betrachtet (sie sind ja im Grunde genommen so eine Art Arbeitnehmer mit keinerlei Arbeitnehmerrechten wie Kündigungsschutz oder ähnlichem) und andererseits als Brutto-Rechnungsbetrag, der für das künstlerische Auftragswerk vom Theater als Kunde zu entrichten ist.

Überträgt man die in der freien Wirtschaft selbstverständliche Praxis in Sachen Umsatzsteuer auf das Theater, zeigt sich die Groteske der Situation: da die meisten Theater öffentlich finanziert sind, fordern die Finanzämter im Grunde genommen Geld von sich selbst.

Die für die Kostüm- und Bühnenbildner tragische Situation ist, dass sich in den Theatern bei Vertragsverhandlungen die unappetitliche Praxis etabliert hat, eine Bruttogage zu verhandeln. Damit wird der schwarze Peter im Spiel mit dem Fiskus auf die Künstler abgewälzt.

Ich kenne aber kein Unternehmen das sich das bieten lassen würde. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer (beispielsweise vor knapp 10 Jahren von 16% auf 19%) musste der Endverbraucher tragen. In der Diskussion um die Anwendung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes von 7% in der Hotelbranche wurde mit der den Konsum ankurbelnden Wirkung argumentiert.

Kauft ein Theater Material für ein Bühnenbild ein, so ist auch hier die Umsatzsteuer vom Theater zu bezahlen. Ich habe beim Einholen von Angeboten bei uns in der Werkstättenleitung jedenfalls noch nie auf einem Angebot den Vermerk gefunden, dass die Umsatzsteuer freundlicherweise die Zulieferfirma übernimmt.

Leider hat es der Gesetzgeber versäumt, für die Künstlerinnen und Künstler einen einheitlich geltenden Umsatzsteuersatz für alle Theaterschaffenden festzulegen. Insofern unterstütze ich Ihren Protest zu voll und ganz. Gleichwohl ist es mir aber ein Anliegen, auf das Kernproblem hinzuweisen. Nicht dass ich so realitätsfern wäre zu glauben, dass sich diese Situation leicht ändern ließe. Aber ich denke, wenn man die Lage so betrachtet, wie eben ausgeführt, wird die Argumentationslinie der Künstlerinnen und Künstler deutlich gestärkt.

Und ein wichtiger Punkt muss dabei auch beachtet werden: ein Durchschnittseinkommen von 11.400 Euro brutto bedeutet, dass diese Leute im Durchschnitt nahe an der offiziellen Armutsgrenze leben. Das tun Unternehmen in der Regel nicht. Zumindest nicht, wenn sie dauerhaft bestehen wollen.

Im Übrigen finde ich natürlich die Aussage Ihres Protestschreibens absolut richtig, dass der reguläre Umsatzsteuersatz im Zusammenhang mit künstlerischen Tätigkeiten in keinerlei Weise gerechtfertigt ist. Auch hier fördert der Gedankenansatz, dass die Umsatzsteuer stets vom Endverbraucher geschuldet wird, Interessantes zu Tage: Auf Konzert- und Theaterkarten wird der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7% erhoben, ebenso wie auf das Kulturgut Buch. Warum sollte der Theaterbesuch dieser Art der staatlichen Förderung unterliegen, wenn die Theatermacher wie Unternehmen der freien Wirtschaft betrachtet werden?

Ich hoffe, dass sowohl meine Gedanken als auch meine Solidarität den Künstlerinnen und Künstlern gegenüber durch diese Zeilen verständlich zum Ausdruck kamen. Ich wünsche Ihnen nun trotz aller ärgerlichen Begebenheiten ein gutes und erfolgreiches Jahr 2013 und verbleibe einstweilen

mit den besten Grüßen aus München

Ihr Fabian Iberl

Protestaufruf: Die Unterschriftensammlung geht weiter

Wenn Sie den Protestaufruf von Anna Eiermann unterschreiben wollen, melden Sie sich bei der Steuerkampftruppe an. Ihre Anmeldung gilt als Unterschrift.

Eine Mitgliedschaft im Kostümforum ist kostenfrei, es entstehen dadurch keinerlei Verpflichtungen, ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben und Sie können Ihren Account einfach wieder löschen.

Erster Schritt – ein Benutzerkonto erstellen, um sein Berufs-Profil anzugeben mit Benutzername und Passwort.
Nachdem Sie ein Benutzerkonto eingerichtet haben, können Sie Mitglied in der öffentliche Steuerkampftruppe werden.
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Umsatzsteuer: Flugblatt-Aktion

Wie hier in der Gruppe mit dem schönen Namen „Steuerkampftruppe“ zu lesen, haben eine Kollegin und ein Kollege in NRW derzeit mit ihren örtlichen Finanzämtern zu kämpfen, weil diese eine Umsatzsteuer in Höhe von 19 % auf ihre Gagen verlangen und entsprechend hohe Nachforderungen über Jahre zurück stellen.

Zwei Anlässe mehr, aktiv zu werden!

Zu diesem Zweck veröffentlichen wir ein Flugblatt, das Anna Paterok vom Bund der Szenografen formuliert hat und das wie von diesem auch von der gtkos und vom Kostümforum unterzeichnet ist. Wir rufen alle Kolleginnen und Kollegen herzlich dazu auf, diesen Text herunterzuladen und in ihrem beruflichen Umfeld zu verbreiten!

Download (PDF, 765KB)

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Aktuell: Aufruf zur Änderung des Entwurfs zum Jahressteuergesetz 2013

Hier die aktuelle Fassung des Aufrufs zur Änderung des Entwurfs zum Jahressteuergesetz 2013.

Nachdem der erste Aufruf von Anna Eiermann und Martin Kohler von 400 Kollegen- und Kolleginnen unterzeichnet wurde, erscheint hier nochmals eine Zusammenfassung.

Der Aufruf beinhaltet Forderungen und Begründungen und zeigt Erfahrungsberichte von Betroffenen auf.

Download (PDF, 141KB)

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Steuerkampftruppe

Die letzten Einträge unseres Blogs haben verdeutlicht, dass viele Kolleginnen und Kollegen derzeit große Schwierigkeiten mit ihrer Besteuerung haben.

Wir möchten dazu beitragen, entsprechende Informationen untereinander auszutauschen, gemeinsam Lösungswege zu suchen und Aktionen vorzubereiten.

Zu diesem Zweck haben Anna Eiermann und Martin Kohler eine Gruppe mit dem Namen Steuerkampftruppe der Kostüm- und Bühnenbildner angelegt.

Wir möchten alle Kolleginnen und Kollegen dazu aufrufen, sich bei dieser Gruppe zu beteiligen. (Wer noch nicht Mitglied des Kostümforums ist, müsste hierfür beitreten. Was eigentlich nicht schwierig ist!)

Im Rahmen der Steuerkampftruppe hat Martin Kohler folgende drei Foren eröffnet:

Neues aus dem Land der Steuerwillkür

Bei wem hat das Finanzamt zweimal geklingelt?

Jetzt geht’s ans Eingemachte – Wer will, muss klagen…?!!!

Bitte über das Menü oben in diese Foren gehen, um zu sehen, was jeweils Thema ist – und um mitzumachen …

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Resonanz der Berliner Presse auf die Protestaktion vom 23. September 2012

Für alle Kostüm- und Bühnenbildner/-innen, die an der kurzfristig anberaumten Protestaktion mit Unterschriftensammlung vom 23. September nicht teilnehmen konnten, verweise ich mit einem Link auf den am 11.10. 2012 erschienen Artikel des Tagesspiegels Wenn das Finanzamt zweimal klingelt Bühnenkünstler
streiten gegen die Umsatzsteuer
.

Hier ist der Artikel zu lesen.

Protestaufruf heute: Kostümbildner/-innen werden von Finanzämtern rückwirkend zur Kasse gebeten!

Protestaktion heute: 23. September 2012 bis 18:00 Uhr

Unterzeichnet den Aufruf!

Ab diesem Jahr erlauben sich einige Finanzämter, die Honorare für die künstlerische Arbeit der Kostümbildner/-innen und der Bühnenbildner/-innen anstatt mit 7% mit 19% Mehrwertsteuer zu belegen.

Dadurch wird die künstlerische Arbeit dieser Berufssparten unter Dienstleistungen eingeordnet.

Zudem fordern die betreffenden Finanzämter für die vorausgegangenen Jahre rückwirkend eine Nachentrichtung der Umsatzsteuer zum Satz von 19%.

Zeitgleich gibt es einen Entwurf des Jahressteuergesetzes 2013, der vorsieht, Regisseure und Choreographen von der Umsatzsteuer gänzlich freizustellen. Angemessen wäre es, die künstlerische Arbeit der Kostüm- und Bühnenbildner/-innen gleich zu behandeln!

Nachdem in den letzten Jahren kaum eine Erhöhung von Gagen durchsetzen war, würde eine Besteuerung mit 19% in den allermeisten Fällen einen einschneidenden Einkommensverlust mit sich bringen, da die zusätzlichen 12% sicherlich nur selten von den Auftraggebern übernommen würden.

Zum gegenwärtigen Stand der Dinge hat sich RA Friedhelm Unverdorben von der Kanzlei Peter Raue gegenüber der Kollegin Anna Eiermann kürzlich wie folgt geäußert:

Die einzige Chance, die ich sehe, um hier für die Vergangenheit eine befriedigende und vor allem positive Lösung für alle Regisseure/Bühnenbildner und Kostümbildner zu finden, ist auf politischem Wege Druck auf das Bundesfinanzministerium auszuüben, damit dieses einen sog. Nichtanwendungserlass veröffentlicht mit der Maßgabe, dass das BFH-Urteil vom 4. Mai 2011 über den entschiedenen Einzelfall hinaus in ALLEN noch offenen Fällen NICHT angewendet wird.

Anna Eiermann, die ihrerseits von der Neuregelung und den Nachzahlungsforderungen der Finanzbehörden betroffen ist, hat einen Aufruf formuliert und fordert alle Kolleginnen und Kollegen dazu auf, ihr diesen mit einer E-Mail bis heute, 23. September 2012, 18:00 Uhr, wie folgt zu übermitteln.

Unter Betreff bitte schreiben:

Ich unterzeichne den Aufruf

Dann als Text:

Name und Adresse

Die E-Mail an: ……Die E-Mail Adresse wurde nach Ablauf des Aufrufs entfernt.

Hier der Aufruf:

Download (PDF, 110KB)

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Petra Wellenstein: „Mein Konzept geht auf“

Redaktion: Thomas Riedel

Über 20.000 Kostüme auf 700 qm

Bei meinem letzten Auftrag als Film-Kostümbildnerin habe ich den Kostüm-Fundus Wellenstein zeitgenössische Kostüme Berlin entdeckt. Unsere Zusammenarbeit war für mich auf Anhieb eine gute Erfahrung und inspirierend. Der Fundus bietet ein ausgesprochen großes und umfangreiches Angebot an zeitgenössischen Kostümen, von heute bis in die 80Jahre und dies in besonders guter, ausgesuchter und exquisiter Qualität.

Ich freue mich, dass ich dieses Konzept allen Interessierten und Filmschaffenden vorstellen kann. Petra Wellenstein hat 20 Jahre Berufserfahrung als Kostümbildnerin. Vor vier Jahren startete Sie mit dem Aufbau ihres Kostümfundus, um damit eine Plattform für die Anforderungen von Kostümbildner/-innen und Filmproduktionen zu schaffen.

Petra Wellenstein sagt selbst: „Ich bin eine Idealistin.” Sie hat mir im Gespräch ihre Visionen erläutert, von denen schon einige auf den Weg gebracht wurden.

So gibt es heute einen Online-Fundus, der zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar ist. Dieses Werkzeug ermöglicht nicht nur schnelle Hilfe in den so bekannten Notfällen. Vielmehr bietet es auch die Möglichkeit komplette, bebilderte, den Rollen zugeordnete Leihkalkulationen zu erstellen. Gleichzeitig hat man die ständig wachsende Auswahl immer im Blick. Anproben-Räume stehen zur Verfügung. Kostümbüros sind zur Miete für die Vorbereitung und Durchführung eines Kostümbildes direkt im Fundus integriert. Der Vorteil liegt auf der Hand: es entfallen die leidigen Auswahlgebühren und bietet gleichzeitig eine enorme Zeitersparnis. Der Fundus verfügt ausserdem über vollständiges Equipment für die Ausstattungen von Garderobenabteilungen.

Ein Teil des Konzeptes ist die ständigen Erweiterung des Bestandes. Dies gelingt durch die Kooperationen mit Fernsehsendern (wie dem RBB) und  Filmproduktionen, die bislang für Kostüme nach Drehschluss keine weitere Verwendung hatten. Eine Vertragspartnerschaft bringt einen, in einem völlig neuen Umfang, finanziellen Nutzen.  Das bedeutet im Leihbereich erhebliche Ersparnisse. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit Anschlusskostüme von Fernseh-Serien zu lagern.

PW sagt: „Mein Konzept geht auf! Kostümbildner/-innen und Produktionsfirmen von Film und Fernsehen, die mit mir arbeiten, nutzen den Fundus und die gesamte Logistik mit Begeisterung.”

Ich würde sagen: „Sie ist eine Visionärin.”

Für 2012 hat sie sich vorgenommen ergänzend in der 1. Etage an Ihrem Standort auf 600 qm einen Ort zu schaffen, an dem sich Räume für Werkstätten, Ateliers und Lager befinden, die sich für die textilen Gewerke der Filmbranche eignen.

Auch hier tut sich schon Einiges.

Die „Textile Artists” Petra Wilke und Sonia Rocha, die sich auf die Kunst des Patinierens und Färbens von Kostümen spezialisiert haben, sind schon eine feste Instanz im Hause. Kostümbildner Frank Bohn bezieht gerade sein Atelier und steht im Begriff mit seinem umfangreichen Lager von Tanzkostümen einzuziehen.

Noch gibt es Platz dieses kreative Treiben zu ergänzen. Raumgrößen sind frei definierbar – Die Miete beträgt inklusive Betriebs- und Heizkosten 7.- € netto pro Quadratmeter.

 

Kontakt: Petra Wellenstein
Wellenstein zeitgenössisches Kostüm Berlin
Klarenbachstraße 1 • 10552 Berlin • +49 30 85400320

 

Vested Memories

Foto: Barbara Loreck

Ausstellung 10. – 23. Mai 2012, UdK Berlin

Text: Barbara Loreck

Der Körper ist da. Er scheint da zu sein. Er verschwindet. Er zeigt sich verhüllt. Die Verhüllung ist da, auf ihn zu verweisen. Sie gestaltet den Wunsch nach modischer Zugehörigkeit zu einer Gruppe und ist gleichzeitig das Statement einer individuellen Einzigartigkeit.

Erinnerungen, Erlebnisse und das entfernte Wissen um seine Endlichkeit prägen den Körper. Ein Netz aus flüchtigen, unerwünschten, verleugneten und verdrängten Spuren zeichnet ihn. Diesen Spuren gehen die Arbeiten auf je eigene Weise nach. Es verbindet sie neben der theoretischen Auseinandersetzung ein experimenteller ästhetischer Prozess. Er dient der Suche nach Materialitäten und Formen, die die individuell und kulturell geprägte Verfasstheit von Körpern auf der Bühne und im Film in einem sichtbaren Gewand repräsentieren.

Die Gewandungen verdecken nichts. Im Gegenteil: Mit jeder Versuchsanordnung, mit jeder neu geschaffenen Stofflichkeit, mit jeder Bilderserie, mit jeder Frage wird eine Schicht abgetragen. Das ist besonders interessant in einem Bereich des Daseins, der heute am liebsten bemäntelt wird: Alter, Abschied, Tod. Diesem doppelseitigen Impuls folgend enthüllen die Arbeiten verschiedene Aspekte der Auseinandersetzung damit.

Das Herzstück der Kostümarbeit zeigt sich hier: Sie setzt unsichtbare, unbenannte Prozesse und Gedanken mittels Kleidung so um, dass ihnen ein neu gestalteter Raum in unserer Erfahrung zuteil wird.

Die Arbeiten von Kerstin Grießhaber und Julia Hartmann, Anna Leidenberger, Sayyora Muin und Charlotte Pistorius stehen exemplarisch für die an Recherche orientierte Arbeitsweise des Studiengangs Bühnenkostüm Prof. Florence von Gerkan an der Universität der Künste Berlin.

 

Fotos: Samuel Perriard

Den Tod tragen

In dem Projekt  setzen wir uns mit Tod und Trauer auseinander. Dazu erforschten wir die Toten- und Erinnerungskultur in Süddeutschland. Die Arbeiten thematisieren Trauerrituale, Trauerkleidung, Erinnerungsobjekte und Orte der Erinnerung und des Gedenkens. Wie erinnerte man sich früher an Verstorbene? Welche Rituale gab es? Objekte des Gedenkens waren z. B. im 17./18. Jahrhundert Totenbretter, die zur Aufbahrung der Toten dienten und als Andenken aufgestellt wurden sowie Bilder und Schmuck, die aus den Haaren der Toten gefertigt wurden. Man trauerte zu Hause, dort, wo man auch lebte, indem man Totenwache hielt und den Verstorbenen oder die Verstorbene auf die Bestattung vorbereitete. Vorwiegend wurde die Trauer von Frauen getragen – in gesellschaftlich festgelegten Formen der Bekleidung. Wichtig war für uns die damit verbundenen Prozesse in Kleiderformen zu überführen.

Kerstin Grießhaber und Julia Hartmann

 

Fotos: Anna Leidenberger

 

Foto: Anna Leidenberger

Körper und Zeit – über das Alter(n)

„Unter allen Realitäten ist das Alter vielleicht diejenige, von der wir im Leben am längsten eine rein abstrakte Vorstellung bewahren.“ Marcel Proust

Ich gehe vom menschlichen Körper aus um dieser abstrakten Idee vom Alter(n) näher zu kommen. Auf meiner Suche nach Lebensspuren, Geschichten, Er-und Gelebtem, Vergangenem, Vergessenem und Erinnertem sind die Fragen „Wann ist man alt?“ und „Was ist alt?“ entstanden. Inspiriert von Texten, Skulpturen und Fotografien entstand eine Reihe von Selbstversuchen. Sie konzentrierten sich auf Verwandlungen, Einfühlung und Experimente mit natürlichen textilen Materialien und deren Alterungsprozessen.

Anna Leidenberger

 

Fotos: Sayyora Muin

 

Foto: Sayyora Muin

Zurückbleiben … der Abschied

Die Arbeit ist meine Form des Abschieds von meinem Vater und eine Seelen -und Erinnerungsreise, die sich mit meiner Heimat Usbekistan auseinandersetzt. Meine Fragen zum Thema Abschied haben mich zu einer Recherche über das Sterben des Aralsees angeregt: Sein Gebiet, die  Landschaft und Menschen dort, ihre Lebensweise und ihre Trachten haben mir als Metapher gedient, um die richtigen Ausdrucksmittel für die Form,  Oberfläche und Strukturen der Figuren zu finden. Es war mir wichtig, dass die Materialien eins werden mit  dem ausgetrockneten salzigen Seeboden. Die Figuren sitzen im Kreis, sie schaffen einen Raum, in dem Stille und Ruhe herrscht, wo Zeit stehen bleibt.

Sayyora Muin

 

Videostandbild: Charlotte Pistorius

 

Videostandbilder: Charlotte Pistorius

Die Bekleidung der Fiktion – die Fiktion als Alltagskleidung

Den Moment der Unentscheidbarkeit im Theater der Gegenwart transformiere ich in meiner Videoarbeit auf bildhafter Ebene: Das dokumentarische Bild realer Gesprächssituationen wechselt sich mit dem Modell des Realen ab. Doch ist das Modell ein Spiegel der Wirklichkeit? Diskutiert werden die Sichtweisen von Kostümbildnerinnen auf ihr Material der Kleidung und die Wirkungsweise des Kostüms: Welche Spielräume eröffnen sich für das Kostüm am Ort der Fiktion, der auf die Aktivität des Gegenübers, des (individuellen) Zuschauers, setzt? Bleibt Alltagskleidung, was sie vorgibt zu sein?

Charlotte Pistorius