Das Kostümforum ist gut besucht …

Hervorgehoben

Inzwischen ist das Kostümforum seit 2010 mehr als 784.000 Mal aufgerufen worden.

Das Kostümforum ist nun unter https://www.kostuemforum.de zu erreichen. Dies ist eingerichtet worden, um Daten abhörsicher zu übertragen.

Dieser von Andrea Riedel gegründete und geleitete Blog bringt Informationen für Kostümbildner/-innen und andere Bühnenschaffende.

Darüber hinaus bietet das Kostümforum im Bereich Bühne und Film tätigen Menschen die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen.

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Günter Unterburger: Der Hut ist kein Kleidungsstück!

„Der Hut ist kein Kleidungsstück!“

Mit dieser Aussage präsentiert Günter Unterburger, Bildhauer und Künstler seine Hüte. Er untermauerte seine These mit einem Rückblick auf die Kulturgeschichte des Hutes.

Für ihn ist der Ursprung des Hutes bei den Naturvölkern zu finden, die Trophäen – insbesondere im Sinn einer Auszeichnung für eine geglückte Jagd – als Kopfschmuck trugen. Der Jäger präsentierte die Trophäe der von ihm erlegten Beute und führte durch diesen Ausweis seiner Geschicklichkeit vor Augen, welcher Status ihm innerhalb seiner Gemeinschaft gebührte. In vergleichbarer Form finden wir heute noch Trophäen wie z. B. den Gamsbart oder die Fasanenfeder als Anstecker an Hüten.

In religiösen Zusammenhängen kommt weniger körperliche Geschicklichkeit zum Tragen, als vielmehr eine geistige Haltung oder ein geistlicher Rang. Für das Erstere kann beispielsweise der Schtreimel der orthodoxen Juden erwähnt werden, für das Letztere unter anderem die Mitra, die der Papst bei repräsentativen Auftritten trägt.

Im Militärischen dient die Kopfbedeckung einer Uniformierung und lässt Hierarchien ablesen. Ähnliches gilt für das Personal von Luft- und Schifffahrtsgesellschaften sowie von verschiedenen anderen Dienstleistern.

Auch in der bürgerlichen Gesellschaft wurden und werden Hüte getragen, an denen der Status der Trägerin oder des Trägers abzulesen ist. Zylinder und Pillbox etwa zeigen die Zugehörigkeit zu einer gehobenen Gesellschaftsschicht an.

In unserem Jahrhundert spielen nun Basecaps eine große Rolle, und das weit über den Bereich des Sportfelds hinaus. Das Tragen dieser Mützen ist nicht schlicht aus praktischen Gründen zu erklären, sondern ist als Bekenntnis zu einer unisexen Sport- und Jugendkultur aufzufassen.

Hieraus leitet Günter Unterburger ab, dass das Tragen einer Kopfbedeckung eine Botschaft beinhaltet. Die Kopfbedeckung fungiert als Zeichen für einen gesellschaftlichen Status oder für eine Gruppenzugehörigkeit; sie ist gleichsam eine semantische Prothese.

Nach seinem Rückblick auf die Kulturgeschichte des Hutes verdeutlichte Günter Unterburger einige Folgerungen für seine eigenen Kreationen.

Bei manchen Modellen greift er bewusst auf Attribute aus dem tradierten Kanon zurück, welche die Trägerin oder den Träger hochherrschaftlich erscheinen lassen, wogegen andere den Kopf wie ein Schutzhelm umhüllen oder auf aerodynamische Formen zurückgreifen, wie sie bei Spoilern an hochtourigen Autos gebräuchlich sind. Wiederum andere lehnen sich an organische Vorbilder an, womit auch morphologische Fehlbildungen oder Auswüchse gemeint sein können.

Alle diese Hüte spielen mit einem Blick, der Zeichen und Abzeichen zu lesen gewohnt ist – aber sie können nie eindeutig entziffert werden. Sie lösen Assoziationen aus, ohne festlegen zu wollen, wohin diese führen. Mithin sind sie Transformatoren: Werden sie aufgesetzt, findet eine Verwandlung statt.

Und als solche Transformatoren besitzen Günter Unterburgers Hüte eine magische Wirkung.

 

 

 

 

Allianz der Freien Künste: Pressemitteilung „Neustart Kultur II” Wirtschaftshilfen mir vielen offenen Fragen

Pressemitteilung vom 19. Februar 2021

Unter der Allianz der Freien Künste vereinen sich 19 organisierte Bundesverbände. Diese Verbände vertreten die berufsrelevanten und kulturpolitischen Interessen ihrer künstlerisch freischaffenden Mitglieder.

Seit Beginn der Krise sind die Kunst- und Kulturschaffenden unmittelbar und existenziell von den Folgen der Pandemie betroffen. Für die Mehrzahl der Akteur*innen ist die Ausübung ihrer Berufe seit mittlerweile fast einem Jahr nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Die Allianz der Freien Künste und viele Fachverbände hatten sich gemeinsam mit dem Deutschen Kulturrat im Vorfeld für eine Weiterführung bzw. Aufstockung der Förderprogramme für soloselbständige Kunst und Kulturschaffende eingesetzt. Mit dem Förderprogramm NEUSTART KULTUR II wird nun eine weitere Milliarde bereitgestellt.

Die starke Überzeichnung vieler Teilprogramme ist ein Indiz dafür, dass die Programme passgenau sind und von der Kunst- und Kulturbranche angenommen werden und ihre Wirkung entfalten können. Vor diesem Hintergrund fordert die Allianz der Freien Künste mit Blick auf die Verteilung der zweiten Kultur-Milliarde insbesondere:

• Verlängerung und Aufstockung der stark überzeichneten Förderprogramme aus Neustart Kultur I

• Einen deutlichen Schwerpunkt auf Teilprogramme und Förderinstrumente, die sich unmittelbar an die Kunstschaffenden richten

• Entwicklung neuer Förderprogramme, um Förderlücken bei Neustart Kultur I zu schließen.

Hier die ausführliche Pressemitteilung auch zum Download.

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arte.tv: Archaischer und wilder Karneval in den italienischen Bergen

Dokumentation zu sehen vom 15. Februar bis 23. März 2021

Zum Karneval legen die Bewohnen von Schignano ihre Identität ab und werden zu den ”Belli”, die Schönen und Erfolgreichen und zu den ”Brutti”, die Hässlichen und Erfolglosen. In selbstgenähten Kostümen treffen die maskierten Bewohner aufeinander und tanzen, raufen, saufen und feiern ihren wilden italienischen Karneval, um den Winter aus ihrem Bergdorf zu vertreiben.

Sehr schöne Dokumentation über den archaischen Karneval (sieh hier)

Allianz der Freien Künste: Pressemitteilung „Nichts ist in Ordnung”

Eingegangen am 20. Januar 2021

Nichts ist in Ordnung – soloselbstständige Kunstschaffende warten noch immer auf wirksame Bundeshilfen.

Die Allianz der Freien Künste macht sich stark für die soloselbständigen Kunstschaffenden Deutschlands.

Noch immer gibt es keine wirksamen Hilfen für soloselbstständige Künstler*innen in der Coronakrise.

Die Hauptforderungen der Allianz der Freien Künste im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind:

  1. Sofortiger Start und schnellstmögliche Erhöhung des im Rahmen der Neustarthilfe für Soloselbstständige in Aussicht gestellten Zuschussbetrages auf monatlich mindes- tens 1.180 Euro im Sinne eines fiktiven Unternehmer*innenlohns
  2. Zwingende Einstufung von allen soloselbstständigen Kunst- und Kulturschaffenden als »direkt Betroffene« im Rahmen der November- und Dezemberhilfen
  3. Radikale Vereinfachung der Grundsicherung für die Dauer der Pandemie (Wegfall der Bedarfsgemeinschaft, Wegfall der Vermögensprüfung, Wegfall des Bewerbungs- zwanges, Wegfall des de facto geltenden Mobilitäts-Verbotes etc.)
  4. Umgehende Aufstockung der stark überzeichneten Förderprogramme im Rahmen von NEUSTART KULTUR um mindestens eine weitere Kultur-Milliarde
  5. Ernstzunehmende Einbeziehung der Branchen- und Fachverbände auf Bundesebene bei der Ausgestaltung von Hilfs- und Fördermaßnahmen
  6. Einrichtung eines überparteilichen, die Fachverbände einbeziehenden Runden Ti- sches »Kunst und Kultur 2021 ff.«

Hier die vollständige Pressemitteilung als PDF zum DOWNLOAD.

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Farbpigmente 50 Farben und ihre Geschichte

David Coles, Künstler, Pionier und Autor des Buches hat sein Leben der Erforschung und Herstellung von Farben gewidmet. Er ist in England geboren und als junger Mann nach Australien ausgewandert. Dort gründete er seine Manufaktur Langridge Artist Colors, die sich bis heute auf die Herstellung von hochwertigen Ölfarben für Künstler spezialisiert hat.

Für dieses Buch hat er für uns die Forschungsergebnisse und Geheimnisse seiner hartnäckigen Suche nach der alchemistischen Transformation von Schmutz und Erde in Farbe zusammengetragen.

David Coles läßt uns an seiner Welt der Pigmente teilhaben. Er öffnet die Tür zu einem Verständnis, dass Materielles durch jahrhundertalte Herstellungs- und Verarbeitungstechniken aufgeschlossen werden. Es entstehen neue chemische Verbindungen, die als Farbpigmente mit metaphysischen und magischen Eigenschaften sichbar werden.

Der Leser taucht in die Entwicklungsgeschichte der Farben ein. Knochen- und Erdpigmente waren die Malmittel der Menschen. die ihre künstlerische Handschrift in Höhlen auf aller Welt hinterlassen haben. Im Altertum und in der klassischen Antike fanden organische und mineralische Farben Verwendung. Im Mittelalter wird die Farbpallette umpfangreicher aber auch toxischer bei der Gewinnung, Herstellung und Verarbeitung.

Coles Farbpigmente
Foto (c) Adrian Lander Drachenblut

Ein Kapitel ist den geheimnisvollen Farben gewidmet. Das leuchtende Indischgelb hatte einen strengen Uringeruch und das Mumienbraun auch caput mortuum genannt, wurde aus vertrockneten Fleisch, Knochen und Umhüllungen gewonnen.

Coles Farbpigmente
Foto (c) Adrian Lander Indischgelb

Coles Farbpigmente
Foto (c) Adrian Lander Mumienbraun

Jedes Zeitalter brachte durch technologische Neuerungen der Pigmentgewinnung neue leuchtstarke, reinere und lichtbeständigere Farben hervor.

Pigmenten wie Ultramarin, Coelinblau, Kadmiumrot und Mangan sind Produkte des 19. Jahrhunderts und sind bis heute in allen Farbabstufungen für Künstler aber auch für andere Zwecke, wo Farben eine wichtige Rolle spielen, erhältlich.

Die chemische Industrie forscht und produziert neue Pigmente mit unterschiedlichen Eigenschaften für Materialien, um diese durch- oder einzufärben.

Eines der letzten Kapitel widmet sich der Herstellung von Farbe. Der Leser oder die Leserin könnte sich ein Farblabor einrichten. Vier Rezepte beschreiben und bebildern die Herstellung von Bleiweiss, Karminlack, Ultramarin und Krapplack.

Alles in allem ein gelungenes und informatives Fachbuch über die Welt der Farbpigmente, ihrer Entwicklungsgeschichte und der vielfältigen chemischen Zusammensetzungen. Darüberhinaus wird man dazu inspiriert sich in sein Atelier zurückzuziehen und mit Farbpigmenten zu experimentieren, um der metaphysischen und magischen Beschaffenheiten von Farben auf die Spur zu kommen.

Englische Originalausgabe ist 2018 unter dem Titel Chromatopia. An Illustrated History of Colour bei Thames & Hudson London erschienen.

Englischer Originaltext von David Coles. Übersetzung ins Deutsche von Ulrike Kirsch München. Fotografien von Adrian Lander

Farbpigmente 50 Farben und ihre Geschichte. 224 Seiten, mit zahlreichen Fotos.

Haupt Verlag 

€ 29,90 / CHF 37,00

ISBN 978-3-258-60213-4

Hier geht es zu dem Haupt Verlag.

Internationaler Tag des Hutes: Interview mit der Designerin Nada Quenzel: „Jeder kann Hut tragen”

Internationalen Tag des Hutes am 25. November 2020

Sebastian Thiel nimmt den „Internationalen Tag des Hutes” zum Anlass Nada Quenzel, Hut- und Fotodesignerin über ihre Lust am Hut und am Fotografieren, zu befragen.

Einen Hut zu tragen, was macht das mit einem Menschen?
Man fühlt sich anders, steht und geht anders. Ein Hut richtet einen auf. Als Fotografin sehe ich auch den optischen Effekt. Beim Auswählen von Porträtfotos nach Shootings bin ich oft verblüfft, wie ein Hut einen Menschen verwandelt. Manchmal wirkt das Model nur mit Hut komplett, ohne, irgendwie nackt und unvollendet. Auch die Wirkung der verschiedenen Hutformen ist unglaublich spannend.
Sie sind Fotografin und Hutdesignerin – eine ungewöhnliche Kombination.
Das stimmt, doch beide Metiers ergänzen sich wunderbar. Als Fotografin interessiert mich der Mensch, das Gesicht, die Persönlichkeit. Als Hutdesignerin beschäftige ich mich mit dem gleichen Thema auf anderer Ebene. Ein Porträtfoto erzählt von der Persönlichkeit eines Menschen. Das tut auch ein Hut. Und wenn ich Hüte designe, denke ich immer auch als Fotografin.
Was kam für Sie zuerst: die Fotografie oder das Hutdesign?
Vielleicht könnte man es besser so sagen: Beides ist aus einer gemeinsamen Wurzel gewachsen. Ich habe in Heiligendamm Produktdesign studiert. Dabei spielte die Fotografie eine wichtige Rolle. Die Hochschule ist vom Bauhaus geprägt. So bekam ich auch eine solide handwerkliche Basis gelegt. Nach dem Diplom habe ich neun Jahre als Fotodesignerin gearbeitet, bevor ich mich an die Hutmacherei herangetastet habe.
Was gab den Impuls?
Nun, die Fotografie hatte sich in den Jahren seit meinem Diplom im Jahr 2003 radikal verändert. Die Digitalisierung hat eine Bilderflut ausgelöst, in der das anspruchsvolle Bild untergeht. Ich wollte nicht einfach mitschwimmen. So habe ich nach neuen Formen der Verwirklichung als Produktdesignerin gesucht. Ich hatte auch Lust, wieder mehr mit meinen Händen zu arbeiten, anstatt immer nur Pixel zu schieben.
Und warum Hutmacherei?
Der Hut faszinierte mich, weil er mir als Designerin so ein unglaublich breites Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Außerdem wollte ich wissen, ob es möglich ist, ihn aus den Vitrinen zurück in den Alltag zu bringen. War der Hut wirklich nur noch als Accessoire für Exzentriker zu gebrauchen? Könnte er nicht viel mehr sein? Diese Fragen beschäftigten mich. Und dann habe ich mich in das Thema gestürzt. Das war etwa 2012.
Kein Handwerk ohne Meister. Wer hat Sie in der Kunst der Hutmacherei unterwiesen?
Das war die erste Hürde! Es war schwer, jemanden zu finden, von dem ich lernen konnte. Das Handwerk war am Aussterben. Letztlich habe ich eine Hutmacherin mit Theaterhintergrund in Solingen gefunden, die mir das Basiswissen vermittelt hat – Materialien, Werkzeuge, Techniken – und den Mut damit kreativ zu sein.
Wie war das, zum ersten Mal einen selbstgefertigten Hut in den Händen zu halten?
Sehr beeindruckend! Meinen Erstling habe ich noch. Es ist ein schwarzer, eher androgyner Damen-Fedora. Ich war damals unheimlich stolz darauf. Heute würde ich ihn allerdings anders gestalten. Er ist eigentlich viel zu hoch. (lacht)
Wie entsteht eigentlich ein Hut?
So wie ich es praktiziere, ist das aufwändige Handarbeit. Am Anfang steht der Rohling, der sogenannte Hutstumpen. Das ist zunächst eine ziemlich formlose Haube. Der Stumpen wird auf dem Hutweiter erhitzt, bis er weich und formbar ist. Dann ziehe ich den Rohling auf eine Holzform auf, wo er trocknet und abkühlt. Anschließend nähe ich das Hutband ein. Das ist das Grundprinzip, das je nach Modell variiert. Im Durchschnitt sitze ich einen Tag an einem Hut.
NadaQuenzelHutdesign3©NadaQuenzel

NadaQuenzelHutdesign3©NadaQuenzel

NadaQuenzelHutdesign2©NadaQuenzel

NadaQuenzelHutdesign2©NadaQuenzel

Wie viele Modelle haben Sie im Repertoire?
Derzeit etwa 200. Der Gestaltungsspielraum ist schier unerschöpflich. Die Grundform, die Materialien, die Farbe, die Form der Krone – also des Kopfteils –, die Breite und Biegung des Randes, bei Kappen die Größe und Form des Schirmes: Damit kann man spielen. Charakteristisch für meine Hüte sind markante, klare Formen, die ihrem Träger eine Silhouette verleihen.
Welche Materialien setzen Sie ein?
Für Sommerhüte vor allem Stroh und Papiergarn auch Sisal und Parasisal, selten auch Bao – ein Garn aus den Fasern des Affenbrotbaumes – sowie Seegras. Für Winterhüte verwende ich nur feinsten Kaninchen-Haarfilz in den Qualitäten Glatthaar, Velours und Melousine. Haarfilz ist ein besonders edles und strapazierfähiges Material – sehr weich, schön warm und äußerst formstabil, außerdem auch wind- und wasserabweisend.
Sie arbeiten gern mit historischen Materialien.
Ja, das ist wirklich etwas Besonderes. Ich habe schon Hutstumpen aus den 1940er und 1950er Jahren verarbeitet. Solche Raritäten bekommt man nur selten in die Hände. Entsprechend schwer sind sie zu finden. Übrigens sind auch einige meiner hölzernen Hutformen sehr alt. Mich reizt die Möglichkeit, das traditionelle Handwerk in einen modernen Kontext zu setzen.
Was ist das Besondere an den alten Hutstumpen?
Beim Filz ist es oft die überragende Qualität, die Regelmäßigkeit, die seltene Farbigkeit. Beim Stroh sind teilweise sehr feine, sehr aufwendige Flechttechniken darunter, die schon lang nicht mehr praktiziert werden. Besondere Schätze in meinem Fundus sind antike Rohlinge für die weltberühmten Florentiner Hüte. Einzigartig an diesen Hüten war ihr Aufbau aus miteinander verkettelten Weizenborten. Solche Stumpen werden seit fast 70 Jahren nicht mehr hergestellt!
Sie beschäftigen sich derzeit mit Naturfarben.
Ja, dazu hat mich ein Besuch in Japan inspiriert. Dort gibt es eine sehr eindrucksvolle Tradition des Färbens mit Pflanzenfarben. Davon können wir viel lernen. Ich habe mit einer befreundeten Künstlerin schon einige sehr schöne Ergebnisse mit Avocado, roter Zwiebel und Hundskamille erzielt.
Was inspiriert Sie?
Das kann alles Mögliche sein. Ein alter Film, ein Gemälde, ein Anblick auf der Straße vor meinem Atelier, die Struktur oder Farbigkeit einer Fassade. Wenn ich unterwegs bin, versuche ich wachsam zu sein, Ideen sofort zu Papier zu bringen. Außerdem verfolge ich die führenden internationalen Modeevents sehr aufmerksam, wie die Fashion Weeks in Paris, London oder New York, und natürlich auch die London Hat Week – entweder vor Ort oder aus der Ferne.
Kommt der Hut zurück?
Klares Ja. Ich sehe heute auf der Straße deutlich mehr Hüte als noch vor zwei Jahren. Auch bei Messeauftritten spüre ich ein riesiges Interesse. Es gibt eine neue Lust daran, nicht nur eine neue Frisur zu tragen, sondern auch eine Kopfbedeckung. Der Hut legt gerade sein Image des Exzentrischen ab. Er wird wieder eine normale Möglichkeit, sich zu gestalten – neben Pullover, Schuhen oder Handtasche.
Welche Modelle sind derzeit besonders gefragt?
Sommerliche Strohhüte und Kappen sind generell am beliebtesten. Der Sommerhut ist für viele die erste Berührung in die Hutwelt. Bei den Winterhüten sind eher die klassischen Modelle gefragt – zurzeit werden interessanterweise gern Signalfarben wie feuerrot, royalblau oder goldgelb genommen. Das finde ich spannend. Es zeigt ein neues Selbstbewusstsein der Hutträgerinnen.
NadaQuenzelHutdesignLou©NadaQuenzel

NadaQuenzelHutdesignLou©NadaQuenzel

NadaQuenzelHutdesignJel©NadaQuenzel

NadaQuenzelHutdesignJel©NadaQuenzel

Kann jeder Mensch Hut tragen?
Natürlich. Wer gern Hut tragen möchte, wird auch einen finden, der zu ihm passt. Ich komme auf Messen immer wieder mit Frauen ins Gespräch, die behaupten, dass ihnen Hüte nicht stehen. Meistens zeigt sich, dass sie bislang einfach immer zum falschen Modell gegriffen haben. Viele tragen dann zum ersten Mal einen Hut, der ihnen steht. Das ist schon ein besonderer Moment.

Haben Sie auch Lust auf eine Kopfbedeckung bekommen?

Hier können Sie zu Nada Quenzel Kontakt aufnehmen.

Allianz der Freien Künste: „Ohne ernstzunehmende Nachbesserung ist den Soloselbstständigen nicht geholfen”

Unter der Allianz der Freien Künste vereinen sich 19 organisierte Bundesverbände. Diese Verbände vertreten die berufsrelevanten und kulturpolitischen Interessen ihrer künstlerisch freischaffenden Mitglieder.

In einer Pressemitteilung fordert die Allianz der Freien Künste die Bundesregierung auf, die Solo-Selbständigen mit einem existenzsichernden Pauschalbetrag für den November und Dezember 2020 zu unterstützen. Auch sollten bei solchen wirtschaftlichen Krisen die Expertise von Fachverbänden mit einbezogen werden, um ernstzunehmende Nachbesserungen der angekündigten Hilfen festzulegen.

Hier geht es auf die Seite der Allianz der Freien Künste.

Hier die ausführliche Pressemitteilung auch zum Download.

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Europa: Online Museen – virtuelle Ausstellungsbesuche

Seit diesem Jahr 2020 veröffentlichen Museen und Galerien ergänzende online Präsentationsformate von Ausstellungen und 3D Museums-Rundgänge. Diese Entwicklung haben wir den europaweiten Lockdowns der Covid-19-Pandemie zu verdanken.

Folgende Formate könnten Sie interessieren:

Madrid: Museo del Traje

Virtuelle 3D Tour durch die Ausstellung Extra Moda im Museo del Traje (siehe hier)

Online Präsentation Video zur Ausstellung Extra Moda (siehe hier)

Unter dem Titel EXTRA, MODA! erhalten Sie einen Einblick in die Entstehung der Modezeitschrift in Spanien (siehe hier)

Scotland: National Museums of Scotland

In der Ausstellung Mode können Sie 30 Objekte aus der Welt der Mode aufrufen. Jedes Artefakt erzählt seine eigene faszinierende Geschichte (siehe hier)

Paris 2017: Musée des Arts décoratifs

Dieser Film ist eine Dokumentation über die Ausstellung mit dem Titel Christian Dior, Designer of Dreams, die 2017 im Pariser Musée des Arts décoratifs anlässlich des 70. Geburtstags des Maison Dior stattfand.

In einem thematischen und chronologischen Rundgang erhalten Sie Einblicke in die Haute Couture Schauen des Maison Dior der letzten Jahrzehnte – sowie wertvolle Archivfotos, Skizzen von Monsieur Dior und seinen Nachfolgern.

Hier geht es zu dem Film, der auf YouTube zu sehen ist.

Indigo: Anbau • Färbetechniken • Projekte

Der Originaltitel des Buches Indigo lautet En Handbok om Indigo – Färgning & Projekt bei Natur & Kultur und ist in Schweden erschienen.

Die Autoren Kerstin Neumüller und Douglas Luhanko lieben das traditionelle Textilhandwerk und beide haben sich gefunden, um gemeinsam das Indigo-Färben neu zu entdecken.

Durch ihr Interesse an diesem ca. 4500 Jahre altem Färbe-Handwerk, das auf fast allen Kontinenten der Erde bis heute in verschiedenen Traditionen mit verschiedenen Techniken ausgeführt wird, entstand ein gut geschriebenes und reich bebildertes und illustriertes Fachbuch über die Grundlagen des Färbens mit den Indigofera-Gewächse, dem Färbeknöterich und dem Färbewaid.

Copyright Foto Fredrik Ottosson

Copyright Foto Fredrik Ottosson

Kerstin Neumüller und Douglas Luhanko haben sich nicht gescheut ihre eigenen Indigo- pflanzen im Garten anzubauen, um sie zu ernten und für den Färbevorgang zu fermentieren. Für die Fermentation haben sie verschiedene Rezepte für die verschiedenen Färbe-Küpen ausprobiert, die in ihrem Buch wie Kochrezepte nachzulesen sind und zum Experimentieren einladen. Beschrieben werden Färbevorgänge für Kleidungsstücke, Garne und Textilflächen und da in der Indigo-Färberei, die blaue Farbe erst durch ein Oxidationsprozess mit dem Sauerstoff an der frischen Luft auf der Textilie entsteht, kann man beobachten wie sich die Textilien auf der Leine langsam blau färben.

Das Indigo-Färben erscheint wie ein alchemistischer  Prozess.

Da Indigo ein wasserunlöslicher Stoff ist, kann er nicht direkt zur Färbung eingesetzt werden. Daher muss das Indigo erst einer Reduktion in alkalischer Lösung mit Natriumdithionit unterzogen werden. So wird es wasserlöslich. Dieses wasserlösliche Indigo ist gelblich und nennt sich Leuko-Indigo. Das Gewebe wird mit dem Leuko-Indigo getränkt und an der Luft zum Trocknen aufgehängt. Durch die Sauerstoffzufuhr erfolgt eine Rückoxidation zu Indigo, dem blauen Farbstoff, dessen Moleküle in den Faserfibrillen mehr oder weniger mechanisch haften bleiben.

Die Qualität des pflanzlichen Indigos, die Zusammensetzung der Kübe, die Temperatur und das zu färbende Material beeinflussen den Färbevorgang. Somit fällt die Blau-Färbung unterschiedlich aus und in diesem Zusammenhang geben die Autoren mit ihren Erfahrungen gute Hinweise, um das Färbe-Ergebnis günstig beeinflussen zu können.

Copyright Foto Fredrik Ottosson

Copyright Foto Fredrik Ottosson

Das Tolle an diesem Buch ist auch, dass unter dem Kapitel Projekte traditionelle japanische Reservierungstechniken wie Arashi- und Itajime-Shibori aufgezeigt werden. Traditionelle Muster, die durch die Indigo-Färberei auf den Textilen sichtbar werden. Auch widmen sich die Autoren der japanischen Nutz- und Zierstiche Sashiko in Formen von Moyó-Sashi und Hitome-Sashi. Dahinter verbergen sich traditionelle japanische Stickmuster von Hanfblätter und Kaktusblüten.

Copyright Foto Fredrik Ottosson

Copyright Foto Fredrik Ottosson

Und wer dem Used-Look seiner Jeans überdrüssig geworden ist, findet hier in diesem Buch unter dem Kapitel Flicken und Ausbessern eine Anleitung, wie er seine durchlöcherte Jeans ausbessert, flickt oder schlichtweg durch Zierstiche und Stoff-Flicken zu einem individuellen Artefakt verwandelt.

Zu guter Letzt werden auf einer der letzten Seiten des Buches Bezugsquellen für das Zubehör zum Färben genannt, für all jene Leser und Leserinnen, die keine Möglichkeiten haben ihre Indigopflanzen selber anzubauen.

Aus dem Schwedischen übersetzt von Marie-Luise Schwarz
Redaktion Gisela Witt

140 Seiten, mit zahlreichen Fotos und Zeichnungen, gebunden

Haupt Verlag

€ 29,90 / CHF 37,00

ISBN 978-3-258-60212-7

Hier geht es zu dem Haupt Verlag.

Online Ausstellung: LOCAL INTERNATIONAL IV – social design + crafts

Online seit 3.9.2020

Eine Gruppenausstellung mit 20 Nachwuchsdesigner/-innen aus Deutschland und Bangladesch.

Die Ausstellung zeigt die Ergebnisse des bilateralen Modedesign-Austauschprojektes gefördert vom Auswärtigen Amt und in Partnerschaft mit dem Goethe-Institut Bangladesch, der Weißensee Kunsthochschule Berlin, der BGMEA University of Fashion & Technology und des National Crafts Council of Bangladesh.
Inhaltliche Projektleitung, Planung und Konzeption, sowie Betreuung der Teilnehmer/-innen: Heike Selmer, Professorin der Weißensee Kunsthochschule Berlin im Fachgebiet Mode-Design.

LOCAL INTERNATIONAL thematisiert Nachhaltigkeit in der Mode, Partizipation, Fairen Handel und Sozialstandards im Textil- und Bekleidungssektor. Nachwuchs-Mode-Designer/-innen aus Berlin und Dhaka wurden eingeladen, gemeinsam an dem internationalen und digitalen Projekt teilzunehmen, das im Sommersemester 2020 stattfand.

LOCAL INTERNATIONAL motiviert Designer/-innen verantwortungsvoll mit Material und Arbeitskräften umzugehen und im Entwurf das gesamte Produktleben zu bedenken.

Das Projekt schafft ein Bewusstsein für die große Spannbreite der Entscheidungsmöglichkeiten, die Designer/-innen in ihrem zukünftigen Arbeitsleben offen stehen und für die Verantwortung, die sie mit ihrer Arbeit übernehmen.

Hier geht es zu der Ausstellung.

arte.tv: Lee Miller – Supermodel und Kriegsfotografin

Beitrag verfügbar vom 29/08/2020 bis 27/11/2020

60 Min.

Lee Millers Leben war so außergewöhnlich wie ihre Fotos. Sie wurde bekannt für ihr Selbstporträt in Hitlers Badewanne. Als Model der „Vogue“ und Muse der Surrealisten verzauberte sie die Männer durch ihre Schönheit. In der Gesellschaft von Man Ray und Pablo Picasso konnte sie sich leicht behaupten. Miller entschied sich, ihr Leben nach ihren eigenen Regeln zu leben. Bald nahm sie die Kamera selbst in die Hand und war während des Zweiten Weltkriegs eine der wenigen Kriegsfotografinnen in Europa. Heute wird sie als eine der wichtigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts gefeiert. Von New York zog es sie nach Paris, von Ägypten nach England, von den Schlachtfeldern Europas in ein Landhaus in Sussex – Lee Miller war für rasche Entschlüsse und überraschende Kehrtwendungen in ihrem Leben bekannt.

Über sich selbst schrieb sie einmal: „Aus irgendeinem Grund möchte ich immer lieber woandershin.“

Hier geht es zu dem Beitrag über Lee Miller.

arte.tv: Glanz und Elend der Kurtisanen im Spiegel der Malerei

Verfügbar vom 20/09/2020 bis 17/10/2020

53 Min.

In diesem Beitrag geht es um das “älteste Gewerbe der Welt”. Schon Manet, Degas, van Gogh und Picasso waren fasziniert vom weiblichen Körper und thematisierten in ihren Bildern, wie der weibliche Körper im aufstrebenden Kapitalismus “vermarktet” wurde.

Hier geht es zu dem Beitrag Glanz und Elend der Kurtisanen im Spiegel der Malerei.