Oberhausen: Planungstreffen Frauen*streik

Am 29. September treffen sich im Theater Oberhausen die Mitglieder des Bündnis Frauen*streik 2019. Bei diesem Planungs- und Vernetzungstreffen sind viele feministische Verbände vertreten, um den existenziellen Forderungen von uns Frauen wieder und immer wieder Nachdruck zu verleihen.

Unsere gesellschaftlichen Strukturen sind auch jetzt im 21. Jahrhundert immer noch androzentrisch ausgerichtet, d.h. unser Leben als Frau wird umfangreich von beschränktem maskulinem Denken und Handeln in der Politik, in der Bildung, in der Kultur und in der Wirtschaft geprägt und durch offene und auch versteckte Wiederstände für Reformen wird der Status Quo der Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen mehr oder weniger gehalten.

Auch wenn unsere Kanzlerin Angela Merkel, eine Quotenfrau, sich für einen Welt-Fonds für Frauen stark macht, täuscht es nicht darüber hinweg, dass in Deutschland dringend Handlungsbedarf bezüglich der Gleichstellung der Frau im Arbeitsleben, der Entlohnung und der Mitverantwortung von Arbeitszusammenhängen und ihrer Ziele besteht.

Ich halte nicht viel von Frauenförderung und Fonds für Frauen, weil mit diesen Instrumentarien wieder einmal aufgezeigt wird, das man den Frauen eine gesonderte Rolle in der Wirtschaft und Gesellschaft zuweisen möchte. Es gibt ja meines Wissens explizit keine Fonds für Männer und auch explizit keine Männerförderung. Für mich sind diese Förderprogramme eine politische Augenwischerei. Wie in einer Erhebung mit Daten von 2013 nachgewiesen wurde, verdienen Frauen mit einem Hochschulabschluss durchschnittlich 21,6 % weniger als Männer. Das Entlohnungsgefälle zwischen Männern und Frauen wird weiterhin in unserer Gesellschaft, in der Wirtschaft, in der Bildung, in der Kultur und im Sozialen kalkuliert und implementiert. Fordern wir dann gleichen Lohn für gleiche Arbeit, dürfen wir uns um eine Frauenförderung bewerben und in den Gremien, die über die Förderung entscheiden, sitzen mehr Männer als Frauen.

Wir haben hier in Berlin fast 90.000 alleinerziehende Mütter, die ihre Kinder ernähren müssen. Alleine diese Tatsache fordert Reformen, da viele Frauen jetzt die Ernährer ihrer Familien sind.

Ein Paradebeispiel von Androzentrik des 20. Jahrhundert sind die Handlungen des amerikanische Präsident Donald Trump, der nicht unerheblich auf Europa Einfluss nimmt, weil er aufzeigt, dass sein betrügerisches, verleumderisches, sexistisches, rassistisches und gieriges Verhalten keinerlei politische Konsequenzen für sein Präsidentenamt hat. Die einzigen seiner Handlungen, die dem 21. Jahrhundert entsprechen, sind sein Teenager-GeTwittere von Kurznachrichten und ich hoffe, dass dieser unzulängliche Führungsstil des amerikanischen Präsidenten ein auslaufendes Modell ist.

Den Aufruf zu diesem Planungstreffen kann ich nur unterstützen und es wäre wunderbar, wenn nicht nur in NRW sondern bundesweit viele Frauen am 8. März 2019 ihre Arbeit an ihren Arbeitsplätzen und im gesellschaftlichen Leben niederlegen. Auch wäre es großartig, wenn wir Frauen im Jahr 2019 mehrmals streiken und zwar immer dann, wenn mit einer Arbeitsniederlegung eine große Wirkung erzielt werden kann, wie z.B. vor einer Premiere, zu einem verkaufsoffenen Sonntag und während des Weihnachtsgeschäfts.

Hier mehr Informationen zu Frauen*streik 2019

29. September 2018 NRW Planungs- und Vernetzungstreffen für einen Frauen*streik

Zeit: 29. September 2018 von 12.00 – 20.00 Uhr

Ort: Im Saal 2 des Theater Oberhausen, Will-Quadflieg-Platz 1, 46045 Oberhausen

Um Anmeldung wird gebeten unter ortmann@theater-oberhausen.de

ITI Jahrestagung: Symposium „Gekommen um zu bleiben. zu gestalten”

Im Juni 2018 fand im Rahmen des Theaterfestivals Theaterformen in Braunschweig die zweitägige Jahrestagung des Internationalen Theaterinstituts ITI statt.

Das diesjährige Symposium mit dem Thema „Gekommen um zu bleiben. zu gestalten” bezieht sich auf die Künstler/-innen, die durch Flucht und Vertreibung nach Deutschland gekommen sind und durch Gastspiele und Festivals die Theaterprogramme bereichern. Junge Tänzer/-innen, Schauspieler/-innen und Performance Künstler/-innen aus Syrien, Palästina und Afrika führen eine Transit-Existenz. Sie mussten und wollten ihr Ursprungsland verlassen, kommen nach Europa und tragen ihre Sprache, Identität, Mentalität und ihre Weltauffassung im Gepäck und konfrontieren uns als Publikum mit den inhumanen Auswirkungen von Autokratien, dem jüdischen und islamischen Fundamentalismus, dem wirtschaftlichen Kolonialismus und der vielschichtigen Globalisierung.

Ich als Deutsche bin eingebettet in ein kollektives System, dass zwar christliche Werte propagiert aber Waffenexporte an autokratische Staaten liefert und transnational agierende Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland Anteil haben an dem postmodernen Kolonialismus.

Die internationalen Künstler, kommen um zu bleiben und geben den Impuls zu einem öffentlichen Diskurs, Institutionen und Förderstrukturen zu schaffen, die es ermöglichen, Räume für kulturelle und künstlerischen Vielfalt zu eröffnen.

ITI Präsident Joachim Lux, Intendant des Thalia Theaters Hamburg fordert in einer Presseerklärung vom 13. Juni 2018, die Theater- und Kulturbetriebe in ihren Strukturen flächendeckend zu verändern, um den internationalen Künstler/-innen die Möglichkeit zu bieten, nicht nur in Deutschland zu bleiben sondern auch mit ihrer künstlerischen Arbeit Einfluß zu nehmen auf die Theaterprogramme, um diese mitzugestalten.

In offenen Diskussionsforen kamen Künstler/innen, Intendanten/innen der Theaterhäuser und öffentliche Förderer zu Wort.

Drei Theater haben erste Schritte unternommen und geflüchteten Künstler/-innen Strukturen an ihren Häusern zur Verfügung gestellt.

  • Krystel Khoury, Kulturmanagerin aus Damaskus (Open Border Ensemble der Münchner Kammerspiele)
  • Amal Omran, Schauspielerin und Sprecherin aus Syrien (Ma’louba Collective am Theater an der Ruhr, Mülheim)
  • Maryam Abu Khaled, Schauspielerin aus Palästina (Exil Ensemble am Gorki Theater Berlin)

In einer Podiumsrunde sprachen die drei leitenden Künstlerinnen über ihre Herkunft und ihre Intension hier in Deutschland zu arbeiten.

Die Frage kam auf, wie diese drei künstlerischen Projekte an den Theatern finanziert werden?

Finanziert werden und wurden diese künstlerischen Beiträge durch kulturelle und soziale Förderung, die projekt- oder zeitbezogen sind und waren. Nur Maryam Abu Khaled aus Berlin wurde nach Ablauf der Projektförderung ein Ensemble-Vertrag angeboten.

Für viele Bühnen in Deutschland wird die Öffnung für die Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern und die Finanzierung von Projekten nur mit kleinen Schritten zu realisieren sein. 

Um Kulturinstitutionen das Nachdenken, die notwendige Expertise, den Aufbau von Netzwerken zu ermöglichen, hat die Kulturstiftung des Bundes den Fonds 360°-Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft eingerichtet. Anna Zosik von der Kulturstiftung des Bundes erläutert, was 360°-Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft für die kulturellen Institutionen leisten kann.

Der Fonds unterstützt Institutionen aus den Sparten Kunst, Musik, Darstellende Künste, Literatur, Architektur, Neue Medien und verwandte Formen sowie spartenübergreifende Institutionen und kunst- und kulturhistorische Museen, die sich in ihrem Feld mit Fragen der Gegenwart befassen, die gesamte Gesellschaft in den Blick zu nehmen: Einwanderung und kulturelle Vielfalt sollen als ebenso chancenreiches wie kontroverses Zukunftsthema aktiv in das eigene Haus und in die Stadtgesellschaft getragen und strukturelle Ausschlüsse im Kulturbetrieb vermindert werden. 

Der Fonds soll eine große Bandbreite von Ansatzpunkten, Strategien und Methoden fördern, die in exemplarischer Weise aufzeigen, wie Institutionen – thematisch und personell – ihr Potenzial zur Mitgestaltung der neuen Stadtgesellschaft wirksam entfalten können.

Am Nachmittag wurden gleichzeitig fünf Gesprächsrunden eröffnet für einen Austausch über die aktuellen Erfahrungen der internationalen Künstler/-innen, der Projektleiter/-innen und der Theaterinstitutionen, um Informationen und Ansätze für eine fruchtbare Zusammenarbeit in der täglichen Praxis zu erhalten.

Vertreten waren als Gesprächspartner 

  • Krystel Khoury, Amal Omran und Maryam Abu Khaled, Moderation Barbara Kastner, freie Dramaturgin.
  • Barbara Kantel, Leiterin Junges Schauspiel Hannover, Moderation Matthias Gehrt, Schauspieldirektor Theater Krefeld-Mönchengladbach
  • Helge Letonja, Choreograf und künstlerischer Leiter des stepptext dance project Bremen im Gespräch mit Kossi Sebastien Aholou-Wokawui und Medoune Seck aus Afrika, Tänzer Moderation Jörg Vorhaben, Chefdramaturg Staatstheater Mainz
  • Mey Seifan, Choreografin aus Syrien, Mitbegründerin der Tanween Company, Moderation Michael Freund ITI Berlin
  • Karen Witthuhn, freie Literatur und Theaterübersetzerin, Mitglied des ITI im Gespräch mit Yvonne Friesel, Dolmetscherin und Theaterübertitlerin

Mich hat Helge Letonjas Gesprächsrunde stepptext dance project in Bremen interessiert. Kossi Sebastien Aholou-Wokawui aus Togo und Medoune Seck aus dem Senegal, beides Tänzer und Künstler, sind Mitglieder der stepptext dance project in Bremen und trainieren mit Helge Letonja und haben sich über das stepptext dance project einen Aufenthaltsstatus erarbeitet, der ihnen ermöglicht auch außerhalb der Projektarbeit mit stepptext dance sich freischaffend weiter zu entwickeln und unabhängig zu werden.

Als letzter Programmpunkt sprach Prof. Dr. Günther Heeg, Direktor des Centre of Competence for Theater der Universität Leipzig. Sein Vortrag galt dem Inhalt seiner Publikation Das Transkulturelle Theater. Grenzüberschreitungen der Theaterwissenschaft in Zeiten der Globalisierung.

Zu dem Symposium ist eine Publikation des ITI erschienen, die die wichtigsten Informationen über die beteiligten Personen und Institutionen enthalten. Leitfäden zur Implementierung einer Diversity-Orientierung der W3-Werkstatt für internationale Kultur und Politik und Ergebnisse und Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung: Kunst in der Einwanderungsgesellschaft. Beiträge der Künste für das Zusammenleben in Vielfalt. Auch finden Sie eine Recherche von Dorothea Marcus, Kulturjournalistin und Theaterkritikerin und ein Interview mit Matthias Lilienthal, Intendant der Münchner Kammerspiele.

Die nächste Jahrestagung des ITI wird im Juni 2019 in Köln stattfinden.

Ergebnisse: Umfrage zu der Arbeitswirklichkeit von Bühnen- und Kostümbildner-innen

Dank an alle Mitglieder des Kostümforums, die an der Umfrage vom 15. Mai 2016 bis zum 29. Juli 2016 teilgenommen haben.

Von 865 angeschriebenen Kollegen und Kolleginnen aus den Berufsverbänden Bund der Szenografen e.V., GTKOS (Gesellschaft der Kostümschaffenden), GDBA (Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger), Kostümforum und LAFT Berlin (Landesverband freier darstellende Künste e.V.) nahmen 289 Künstler/-innen an der Umfrage teil.

Betreut hatte die Umfrage der Soziologe Martin Kohler. Der Lehrstuhl Methoden der empirischen Sozialforschung der Universität Potsdam führte die Umfrage durch.

Die Ergebnisse der Befragung spiegeln das gesamte Spektrum der Arbeitsrealität an den deutschen Bühnen wieder und haben uns dazu veranlasst ein Reformpaket zu formulieren, dass zu angemessenen Produktionsgagen für freischaffende Bühnen- und Kostümbildner/-innen führen soll.

Vorausschickend möchte ich bemerken, dass Theaterkünstler/-innen einen wichtigen Beitrag für unsere demokratische Gesellschaft leisten und dafür verdienen sie Wertschätzung!

Das Reformpaket für 2017

Die Fakten

  • 72%  der Bühnen- und Kostümbildner/-innen sind Akademiker.
  • 89% der Bühnen- und Kostümbildner/-innen sind freischaffend tätig.
  • 3,8 Produktionen realisieren wir pro Jahr durchschnittlich.
  • 1643,12 Euro  Brutto verdienen wir im Monat durchschnittlich.
  • 12% weniger Gage erhalten Frauen bei gleicher Arbeit.
  • Kostümbildner/-Innen verdienen 26% weniger als Bühnenbildner/-Innen bei gleicher Arbeit
  • Um 6 % haben sich unsere Einkommen im Laufe der letzten 7 Jahren verschlechtert.

Wir fordern

  • die Einführung einer gesetzlichen Sockelgage für Bühnen- und Kostümbildner/-innen von 15.000 Euro Brutto pro Produktion. Dies entspricht dem Gehalt eines Grundschullehrers.
  • gleiche Gagen für Männer und Frauen.
  • gleiche Gagen für Bühnen- und Kostümbildner/-innen.
  • die Umsatzsteuerbefreiung für alle Theaterschaffenden Künstler/-innen
  • Gagentransparenz.
  • die Personaldichte muss der Produktionsdichte entsprechen! Deshalb mehr Ausstattungsleiter, Assistenten und handwerkliche Spezialisten!
  • keine Privatisierung oder Teilprivatisierung von Theaterwerkstätten!
  • Etatanpassungen in Entsprechung zum Produktionsvolumen, zu Preisschwankungen und zu Tariferhöhungen.
  • die vollständige Erstattung von Fahrt- und Übernachtungskosten.
  • die Politik und die Theater auf, eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch angemessene Bezahlung und familienfreundliche Strukturen zu ermöglichen.
  • mehr Risikobereitschaft von Intendanz und Dramaturgie sowie mehr Bereitschaft zu Forschung und Experiment.
  • eine Umkehr von Fast-Food-Produktion und Akkordarbeit hin zu nachhaltigen Produktionsweisen.
  • ein Rotationsprinzip bei der Auftragsvergabe von Regie, Bühne und Kostüm.
  • die Politik und die Hochschulen auf Strategien zu entwickeln, welche die Arbeitsmöglichkeiten für Absolventen der Bühnen- und Kostümbildstudiengänge auf dem übersättigten Markt verbessern.
  • Der Bund der Szenografen steht als beratendes Gremium dem Deutschen Bühnenverein für alle Entscheidungen, die in unserem Bereich getroffen werden, zur Verfügung.
  • Der Bund der Szenografen steht bei Findungskommissionen für Intendantenbesetzungen als beratendes Gremium zur Verfügung.

In unserem umfangreichen Reformpaket finden Sie die Berechnung einer Sockelgage, um den gesetzlichen Mindestlohn für unsere künstlerische Arbeit zu erhalten und wir zeigen die Leistungsphasen auf, die zu einem Bühnenbild oder Kostümbild führen.

Hier der ausführliche Forderungskatalog als PDF zum Download.

Download (PDF, 511KB)

 

art but fair: Untersuchung zu Arbeitsbedingungen in der darstellenden Kunst

Im Januar 2015 startete die Umfrage für faire Arbeitsbedingungen in der darstellenden Kunst (siehe hier)

Ich freue mich, dass nun die umfangreiche art but fair Studie zu Arbeitsbedingungen, Missständen sowie Vorschlägen, die zu besseren Arbeitsbedingungen beitragen können, ende Mai 2016 veröffentlicht wurde (siehe hier)

Die Untersuchung ist in Zusammenarbeit mit art but fair und der Hans Böckler Stiftung STUDY Nr. 319 • Mai 2016 entstanden.

Sehr lesenswert und aufschlussreich für Bühnen- und Kostümbildner!