Petra Wellenstein: „Mein Konzept geht auf“

Redaktion: Thomas Riedel

Über 20.000 Kostüme auf 700 qm

Bei meinem letzten Auftrag als Film-Kostümbildnerin habe ich den Kostüm-Fundus Wellenstein zeitgenössische Kostüme Berlin entdeckt. Unsere Zusammenarbeit war für mich auf Anhieb eine gute Erfahrung und inspirierend. Der Fundus bietet ein ausgesprochen großes und umfangreiches Angebot an zeitgenössischen Kostümen, von heute bis in die 80Jahre und dies in besonders guter, ausgesuchter und exquisiter Qualität.

Ich freue mich, dass ich dieses Konzept allen Interessierten und Filmschaffenden vorstellen kann. Petra Wellenstein hat 20 Jahre Berufserfahrung als Kostümbildnerin. Vor vier Jahren startete Sie mit dem Aufbau ihres Kostümfundus, um damit eine Plattform für die Anforderungen von Kostümbildner/-innen und Filmproduktionen zu schaffen.

Petra Wellenstein sagt selbst: „Ich bin eine Idealistin.” Sie hat mir im Gespräch ihre Visionen erläutert, von denen schon einige auf den Weg gebracht wurden.

So gibt es heute einen Online-Fundus, der zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar ist. Dieses Werkzeug ermöglicht nicht nur schnelle Hilfe in den so bekannten Notfällen. Vielmehr bietet es auch die Möglichkeit komplette, bebilderte, den Rollen zugeordnete Leihkalkulationen zu erstellen. Gleichzeitig hat man die ständig wachsende Auswahl immer im Blick. Anproben-Räume stehen zur Verfügung. Kostümbüros sind zur Miete für die Vorbereitung und Durchführung eines Kostümbildes direkt im Fundus integriert. Der Vorteil liegt auf der Hand: es entfallen die leidigen Auswahlgebühren und bietet gleichzeitig eine enorme Zeitersparnis. Der Fundus verfügt ausserdem über vollständiges Equipment für die Ausstattungen von Garderobenabteilungen.

Ein Teil des Konzeptes ist die ständigen Erweiterung des Bestandes. Dies gelingt durch die Kooperationen mit Fernsehsendern (wie dem RBB) und  Filmproduktionen, die bislang für Kostüme nach Drehschluss keine weitere Verwendung hatten. Eine Vertragspartnerschaft bringt einen, in einem völlig neuen Umfang, finanziellen Nutzen.  Das bedeutet im Leihbereich erhebliche Ersparnisse. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit Anschlusskostüme von Fernseh-Serien zu lagern.

PW sagt: „Mein Konzept geht auf! Kostümbildner/-innen und Produktionsfirmen von Film und Fernsehen, die mit mir arbeiten, nutzen den Fundus und die gesamte Logistik mit Begeisterung.”

Ich würde sagen: „Sie ist eine Visionärin.”

Für 2012 hat sie sich vorgenommen ergänzend in der 1. Etage an Ihrem Standort auf 600 qm einen Ort zu schaffen, an dem sich Räume für Werkstätten, Ateliers und Lager befinden, die sich für die textilen Gewerke der Filmbranche eignen.

Auch hier tut sich schon Einiges.

Die „Textile Artists” Petra Wilke und Sonia Rocha, die sich auf die Kunst des Patinierens und Färbens von Kostümen spezialisiert haben, sind schon eine feste Instanz im Hause. Kostümbildner Frank Bohn bezieht gerade sein Atelier und steht im Begriff mit seinem umfangreichen Lager von Tanzkostümen einzuziehen.

Noch gibt es Platz dieses kreative Treiben zu ergänzen. Raumgrößen sind frei definierbar – Die Miete beträgt inklusive Betriebs- und Heizkosten 7.- € netto pro Quadratmeter.

 

Kontakt: Petra Wellenstein
Wellenstein zeitgenössisches Kostüm Berlin
Klarenbachstraße 1 • 10552 Berlin • +49 30 85400320

 

Vested Memories

Foto: Barbara Loreck

Ausstellung 10. – 23. Mai 2012, UdK Berlin

Text: Barbara Loreck

Der Körper ist da. Er scheint da zu sein. Er verschwindet. Er zeigt sich verhüllt. Die Verhüllung ist da, auf ihn zu verweisen. Sie gestaltet den Wunsch nach modischer Zugehörigkeit zu einer Gruppe und ist gleichzeitig das Statement einer individuellen Einzigartigkeit.

Erinnerungen, Erlebnisse und das entfernte Wissen um seine Endlichkeit prägen den Körper. Ein Netz aus flüchtigen, unerwünschten, verleugneten und verdrängten Spuren zeichnet ihn. Diesen Spuren gehen die Arbeiten auf je eigene Weise nach. Es verbindet sie neben der theoretischen Auseinandersetzung ein experimenteller ästhetischer Prozess. Er dient der Suche nach Materialitäten und Formen, die die individuell und kulturell geprägte Verfasstheit von Körpern auf der Bühne und im Film in einem sichtbaren Gewand repräsentieren.

Die Gewandungen verdecken nichts. Im Gegenteil: Mit jeder Versuchsanordnung, mit jeder neu geschaffenen Stofflichkeit, mit jeder Bilderserie, mit jeder Frage wird eine Schicht abgetragen. Das ist besonders interessant in einem Bereich des Daseins, der heute am liebsten bemäntelt wird: Alter, Abschied, Tod. Diesem doppelseitigen Impuls folgend enthüllen die Arbeiten verschiedene Aspekte der Auseinandersetzung damit.

Das Herzstück der Kostümarbeit zeigt sich hier: Sie setzt unsichtbare, unbenannte Prozesse und Gedanken mittels Kleidung so um, dass ihnen ein neu gestalteter Raum in unserer Erfahrung zuteil wird.

Die Arbeiten von Kerstin Grießhaber und Julia Hartmann, Anna Leidenberger, Sayyora Muin und Charlotte Pistorius stehen exemplarisch für die an Recherche orientierte Arbeitsweise des Studiengangs Bühnenkostüm Prof. Florence von Gerkan an der Universität der Künste Berlin.

 

Fotos: Samuel Perriard

Den Tod tragen

In dem Projekt  setzen wir uns mit Tod und Trauer auseinander. Dazu erforschten wir die Toten- und Erinnerungskultur in Süddeutschland. Die Arbeiten thematisieren Trauerrituale, Trauerkleidung, Erinnerungsobjekte und Orte der Erinnerung und des Gedenkens. Wie erinnerte man sich früher an Verstorbene? Welche Rituale gab es? Objekte des Gedenkens waren z. B. im 17./18. Jahrhundert Totenbretter, die zur Aufbahrung der Toten dienten und als Andenken aufgestellt wurden sowie Bilder und Schmuck, die aus den Haaren der Toten gefertigt wurden. Man trauerte zu Hause, dort, wo man auch lebte, indem man Totenwache hielt und den Verstorbenen oder die Verstorbene auf die Bestattung vorbereitete. Vorwiegend wurde die Trauer von Frauen getragen – in gesellschaftlich festgelegten Formen der Bekleidung. Wichtig war für uns die damit verbundenen Prozesse in Kleiderformen zu überführen.

Kerstin Grießhaber und Julia Hartmann

 

Fotos: Anna Leidenberger

 

Foto: Anna Leidenberger

Körper und Zeit – über das Alter(n)

„Unter allen Realitäten ist das Alter vielleicht diejenige, von der wir im Leben am längsten eine rein abstrakte Vorstellung bewahren.“ Marcel Proust

Ich gehe vom menschlichen Körper aus um dieser abstrakten Idee vom Alter(n) näher zu kommen. Auf meiner Suche nach Lebensspuren, Geschichten, Er-und Gelebtem, Vergangenem, Vergessenem und Erinnertem sind die Fragen „Wann ist man alt?“ und „Was ist alt?“ entstanden. Inspiriert von Texten, Skulpturen und Fotografien entstand eine Reihe von Selbstversuchen. Sie konzentrierten sich auf Verwandlungen, Einfühlung und Experimente mit natürlichen textilen Materialien und deren Alterungsprozessen.

Anna Leidenberger

 

Fotos: Sayyora Muin

 

Foto: Sayyora Muin

Zurückbleiben … der Abschied

Die Arbeit ist meine Form des Abschieds von meinem Vater und eine Seelen -und Erinnerungsreise, die sich mit meiner Heimat Usbekistan auseinandersetzt. Meine Fragen zum Thema Abschied haben mich zu einer Recherche über das Sterben des Aralsees angeregt: Sein Gebiet, die  Landschaft und Menschen dort, ihre Lebensweise und ihre Trachten haben mir als Metapher gedient, um die richtigen Ausdrucksmittel für die Form,  Oberfläche und Strukturen der Figuren zu finden. Es war mir wichtig, dass die Materialien eins werden mit  dem ausgetrockneten salzigen Seeboden. Die Figuren sitzen im Kreis, sie schaffen einen Raum, in dem Stille und Ruhe herrscht, wo Zeit stehen bleibt.

Sayyora Muin

 

Videostandbild: Charlotte Pistorius

 

Videostandbilder: Charlotte Pistorius

Die Bekleidung der Fiktion – die Fiktion als Alltagskleidung

Den Moment der Unentscheidbarkeit im Theater der Gegenwart transformiere ich in meiner Videoarbeit auf bildhafter Ebene: Das dokumentarische Bild realer Gesprächssituationen wechselt sich mit dem Modell des Realen ab. Doch ist das Modell ein Spiegel der Wirklichkeit? Diskutiert werden die Sichtweisen von Kostümbildnerinnen auf ihr Material der Kleidung und die Wirkungsweise des Kostüms: Welche Spielräume eröffnen sich für das Kostüm am Ort der Fiktion, der auf die Aktivität des Gegenübers, des (individuellen) Zuschauers, setzt? Bleibt Alltagskleidung, was sie vorgibt zu sein?

Charlotte Pistorius

 

Textile Art Berlin 2012

Die 8. internationale Textilkunst-Messe Textile Art Berlin findet am 9. und 10. Juni wieder in Berlin/Kreuzberg statt und bietet dem Besucher in diesem Jahr 70 Verkaufs- und Infostände, 20 Ausstellungen, 21 Künstlerworkshops, Mitmachaktionen sowie fachinformative Vorträge und Modenschauen.

Ort: Carl-von-Ossietzky-Schule in der Blücherstr. 46/47 in 10961 Berlin/Kreuzberg

Zeiten: Samstag 9. Juni von 10-18 Uhr und Sonntag 10. Juni von 10-17 Uhr

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Hamburg: Recycling-Designerin Katell Gélébart

Noch bis zu dem 6. Mai 2012 finden zeitgleich im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zwei Ausstellungen statt, die unterschiedliche Perspektiven auf die Mode beleuchten.

Inspirations, eine Hommage an den großen Modeschöpfer Alexander McQueen und die Ausstellung „Was da ist“ Objekte und Kleidung aus Verpackungsmaterialien der Recycling-Designerin Katell Gélébart.

Dieses Video gibt einen Einblick in das Recyling-Design.

„FASHION TALKS“

Die Ausstellung FASHION TALKS, die bis Ende Februar im Museum für Kommunikation in Berlin zu sehen war, wandert nun weiter nach Frankfurt am Main.

Im dortigen Museum für Kommunikation wird sie am 21. März um 19:00 Uhr von neuem eröffnet. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.
Danach soll diese schöne Ausstellung auch noch im Museum für Kommunikation in Nürnberg gezeigt werden.

So lohnenswert ein Besuch bei FASHION TALKS ist, so empfehlenswert ist die begleitende Publikation, die von der Museumsstiftung Post und Telekommunikation im Eigenverlag herausgebracht wurde:

 

Fashion Talks

 

Der von Lieselotte Kugler und Gregor Isenbort herausgegebene Band gliedert sich in fünf Teile:

  • Uniformität
  • Jugendszenen
  • Strategien
  • Themenwelten: Denim Tartan Camouflage
  • Das Neue

Unter diesen Überschriften sind 22 Aufsätze von Autorinnen und Autoren verschiedener Provenienz versammelt, die sich in vielfältiger Weise mit der Frage beschäftigen, wie Mode als Kommunikationsform funktioniert und vermarktet wird.

Herausgekommen ist dabei ein überaus anregendes Buch, das auch Kostümbildner/-innen, die sich in Stylecodes auskennen, nicht enttäuscht.

Allerdings ist diese 266 Seiten starke Publikation  – obwohl sie eine ISBN-Nummer besitzt (978-3-9813202-2-0) – offenbar nicht über den Buchhandel, sondern nur in den Museumsshops zu erhalten. Dort kostet sie € 19,99.

Berlin: netzwerk mode textil

netzwerk mode textil ist eine Interessenvertretung der kulturwissenschaftlichen Textil-, Kleider- und Modeforschung e. V.

„Intelligente Verbindungen“ – unter diesem Motto trat netzwerk mode textil e. V. bei seiner Auftaktveranstaltung im März 2009 zusammen. Der Titel ist bis heute Programm. Es geht um die berufliche Vernetzung aller, die sich für die Kulturgeschichte und Kulturwissenschaft von Textilien, Bekleidung und Mode interessieren.

Die klar strukturierte und stets aktuelle Internetseite bietet eine Fülle von Informationen von hohem Nutzwert: Hier finden sich Hinweise auf die neusten Publikationen, aktuelle Ausstellungen und Fachtagungen. Es gibt fachlich fundierte Buchrezensionen, Ausstellungsbesprechungen und eine gut sortierte Linksammlung. Mitglieder haben zudem Zugang zu Verzeichnissen von Museen, Sammlungen, Ausbildungsstätten, Modefilmen und Stiftungen sowie zu Literaturverzeichnissen zur Kulturgeschichte der Bekleidung und Mode.

Das Netzwerk fördert auch den persönlichen Austausch unter den Mitgliedern. Einmal im Monat laden die Berliner Netzwerker/-innen zum Jour fixe ein. In dieser Runde lassen sich wertvolle Kontakte knüpfen und neue Projekte diskutieren. Auch im Rheinland, in Hamburg und Zürich treffen sich regelmäßig Mitglieder, stellen ihre Arbeit vor und planen gemeinsame Aktionen, Ausstellungsbesuche oder Exkursionen. Die jährliche Mitgliederversammlung findet an wechselnden Orten statt und wird begleitet von einem anspruchsvollen, abwechslungsreichen Rahmenprogramm. Eine Vereinszeitschrift ist in Planung.

Inzwischen zählt netzwerk mode textil e. V. zahlreiche WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Disziplinen zu seinen Mitgliedern. Hierzu gehören Kunst- und Modegeschichte, Modetheorie, Kulturwissenschaft, Kulturanthropologie, Ethnologie, Soziologie u.v.m.. KuratorInnen, TextilrestauratorInnen, KostümgestalterInnen sowie Textil- und ModedesignerInnen schlossen sich ebenso an wie KünstlerInnen, TextilwissenschaftlerInnen, ModejournalistInnen und viele Lehrende, Studierende, DoktorantInnen und Auszubildende.

Hier mehr Informationen über die Interessenvertretung netzwerk mode textil.

Berlin: „Hoffnungsschimmer“ – Auszeichnung für faire Arbeitsbedingungen

Die Bundesvereinigung der Flmschaffenden-Verbände hat gestern in einem Festakt zum zweiten Mal die Auszeichnung Hoffnungsschimmer verliehen, mit der faire Arbeitsbedingungen bei Film- und Fernsehproduktionen gewürdigt werden.

Der Preis ging an den Film Barbara (Regie: Christian Petzold, Produktion: Florian Koerner von Gustorf und Michael Weber – Schramm Film), der am selben Abend im Rahmen der Berlinale seine Premiere feierte.

Entschieden wurde über die Auszeichnung in einem vom Netzwerk crew united durchgeführten Voting, bei dem Filmschaffende, die 2011 an Produktionen mitgearbeitet haben, ihre Arbeitsbedingungen bewerten konnten.

In ihrer Laudatio verdeutlichte Marion Kracht nochmals die mit dem Hoffnungsschimmer verbundenen Anliegen: angemessene Kalkulation von zeitlichem Aufwand und Entlohnung sowie eine durch Respekt und wechselseitige Wertschätzung geprägte Kommunikation.

In diesem Zusammenhang regte Marion Kracht an, eine dem Fairtrade-Siegel entsprechende Kennzeichnung einzuführen.

Angelika Krüger-Leißner, filmpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, griff diesen Vorschlag mit der Überlegung auf, dass er in die anstehende Novellierung des Filmfördergesetzes (FFG) einfließen könnte.

 

Auszeichnung für die Filmproduktion „Barbara“

Auszeichnung für die Filmproduktion „Barbara“

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Berlin: iSFF – Seminar für Kostüm- und Szenenbild (Film und Fernsehen)

Das Institut für Film- und Fernsehberufe Berlin (iSFF) bietet jedes Jahr ein von Anja Niehaus und Annette Ganders geleitetes zweimonatiges Seminar für Kostüm- und Szenenbild im Bereich Film und Fernsehen an.

In diesem Jahr waren die Inhalte der beiden Gewerke gezielt aufeinander abgestimmt, um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sich aus einer solchen Synergie hinsichtlich der filmischen Bildmittel ergeben.

Die Themenschwerpunkte für Filmkostüm waren: Produktionsstrukturen, Erschließung von Drehbüchern und Erstellung von Auszügen, Kalkulation und Verhandlungsführung, Abstimmung mit Regie und Kamera, Kommunikation unter den verschiedenen Gewerken.

Alle diese Module wurden praxisnah von erfahrenen Fachleuten unterrichtet.

Die gemeinsame gestalterische Aufgabe der Kostümbildner/-innen und Szenenbildner/-innen bestand aus Entwürfen für den historischen Film Die Verführerin – Adele Spitzeder (Regie: Xaver Schwarzenberger), der 2011 vom BR produziert wurde. Die unter der Leitung der Film-Kostümbildnerin Anne Jendritzko und der Szenenbildnerin Anette Kuhn erarbeiteten Ergebnisse wurden abschließend vor einem Fachpublikum präsentiert.

Zusätzlich zu den bereits erwähnten Angeboten gab es eine Einführung ins Patinieren, die der Film-Kostümbildner Jürgen Knoll leitete.

Bremen: Vodou – Kunst und Kult aus Haiti

Wer sich für Götter, Geister und Rituale interessiert, hat nun die Möglichkeit im Übersee-Museum Bremen, über 350 Objekte der Sammlung Lehmann zu sehen, die zum letzten Mal in Europa präsentiert wird.

Geheimgesellschaft

Geheimgesellschaft

 

Vodou- Kunst und Kult aus Haiti vom 8. Oktober 201 bis 29. April 2012 in Bremen.

It’s a remake!

It’s a remake! Freies Videoprojekt im Wintersemester 2010/11 unter der Leitung von Gastprofessorin Barbara Loreck
Studiengang Kostümbild, Universität der Künste Berlin.

remake als aktuelle Arbeitsweise und häufig angewandte künstlerische Strategie stand am Ausgangspunkt für das Videoprojekt mit Studierenden im Hauptstudium. Diese Strategie umfasst Formen des reenactments, des tableau vivant und verschiedene Spielformen zwischen Original, fake und Kopie, die alle eine wichtige Rolle für Choreographie, Performance und Theater heute spielen, neben der langen Tradition des Remakes im Kino.
Zwischen drei Filmen konnten die Studierenden für ihre praktische Arbeit wählen:

Sedmikrásky (Tausendschönchen) von Vera Chytilová, Tschechoslowakei 1966
Cléo de 5 à 7 (Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7) von Agnes Varda, Frankreich/Italien 1962
Vertigo von Alfred Hitchock, USA 1958

Alle drei Filme verbindet ihre ähnliche Entstehungszeit, ein die klassische Erzählkonventionen sprengender Umgang mit dem Element „Farbe“ sowie eine bzw. zwei junge Frauen als zentrale Figuren des Films.
Meine Auswahl war vor allem von meinem Interesse an dem Transformationsprozess getragen, der entsteht, wenn Studierende heute auf die weibliche Hauptfigur etwa ihren Alters blicken aus einer historischen und ästhetischen Distanz von etwa 50 Jahren. Mit welchen gestalterischen und narrativen Mitteln werden sie den Film ihrer Wahl in die Gegenwart holen? Wie reorganisiert die studentische Arbeit die genderspezifisch gelenkten Blicke und Identifikationsmuster? Welche kinemathographischen/narrativen Facetten wird ihre Replik auf das Original aufgreifen? Welchen Stellenwert erhält die Farbe bei Kostüm und Ausstattung?

Entstanden sind drei Kurzfilme, eine Videoinstallation und eine Fotoarbeit.

Die Beteiligten am Projekt:
Studierende: Claudio Aguirre, Marianne Heide, Charlotte Pistorius, Anna Söder, Rebekka Stange, Lisa Schwarz
Einführung Videoschnitt: Clarissa Thieme, Experimentelle Mediengestaltung UdK

It's a remake – Seite2

Wolfsburg: Art & Fashion. Zwischen Haut und Kleid

Für all diejenigen, die Zeit für einen Sommerausflug haben, möchte ich die Ausstellung Art & Fashion. Zwischen Haut und Kleid empfehlen, die noch bis zum 7. August im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen ist.

Hier ein Bericht der Deutschen Welle:

 

 

Am spannendsten finde ich selbst Nick Cave, der mit Tanz-Kostüm-Skulpturen vertreten ist:

 

Eindrücke von der ShowTech 2011

In diesem Jahr hatte ich wieder die Möglichkeit, als Besucherin der ShowTech in Halle 4 zahlreiche Firmen anzutreffen, die all das herstellen oder vertreiben, was für Kostüm-Werkstätten und Kostümbildner/-innen von Interesse sein kann.

Mehr als 300 Aussteller aus den Bereichen Bühnen- und Veranstaltungstechnik, Event und Ausstattung zeigten Spitzentechnologien und neue Ideen.

Eine Fülle von Informationen, auf die hier natürlich nicht auch nur annähernd eingeangen werden kann …

Als Beispiel mag ein Besuch auf dem Stand des Bühnenausstatters Gerriets dienen:

Nachdem mich dort etwas in seinen Bann geschlagen hatte, was ich zunächst für einen Plasmabildschirm hielt, kam der Geschäftsführer der genannten Firma auf mich zu und erläuterte mir, dass es sich hier um eine einzigartige Low-Gain-Folie handle, die unter dem Namen OPTIBLACK vertrieben werde. Sie könne in unbeleuchtetem Zustand als dunkler Aushang oder als Hintergrund benutzt werden; ihr eigentlicher Verwendungszweck liege jedoch in Auf- und Rückprojektionen, wobei sie sich dadurch auszeichne, dass sie wegen äußerst geringer Reflexion von Störlicht auch in hellen Umgebungen eingesetzt werden könne.

Ich kann bestätigen, dass das Letztere in wirklich verblüffender Weise der Fall ist.

Es gab auch viele andere spannende Dinge zu sehen, weshalb ich es besonders nett fand, auf dem Stand von brainLight auf etwas Entspannendes zu stoßen: auf Shiatsu-Massagesessel, auf denen erholungsbedürftige Fachleute sich in andere Sphären entrücken lassen konnten.

Fachleute bei brainLight

Fachleute bei brainLight

Wäre es nicht begrüßenswert, wenn unsere Arbeitgeber solche Möbel für ihre fleißigen Mitarbeiter/-innen anschaffen würden.

Kurzes Resümee der Kostümschaffenden-Tagung während der ShowTech

Die Gesellschaft der Theaterkostümschaffenden (GTKos) unter der Leitung von Angelika Laubmeier (Luzerner Theater) und Werner Pick (Staatsoper Stuttgart) nutzten die dritte Tagung, um mit den anwesenden Mitgliedern einen eingetragenen Verein zu gründen, damit ein ebenbürtiger Verband wie die DTHG (Deutsche Theatertechnische Gesellschaft) entstehen kann.

Die Gründung wurde einstimmig beschlossen und zum nächsten Jahr können Kostümschaffende und Kostümbildner/-innen ordentliches Mitglied der GTKos mit einem Jahresbeitrag von 25 € werden. Für Auszubildende, Studierende, Praktikanten und Hospitanten ist die Mitgliedschaft unentgeltlich.

Diese Verbandsgründung ist nicht nur für die beschäftigen Kostümschaffenden der Theater interessant.

Da es bis jetzt keinen Verband für Kostümbildner/-innen gibt, wir somit einer Berufsgruppe angehören, in dem der Einzelne seine Interessen vertritt und vertreten muss, könnte durch eine Mitgliedschaft bei der GTKos auch die Belange und Interessen der meist freischaffenden Kostümbildner/-innen mit berücksichtigt werden.

Um diese Synergien herzustellen, trafen sich die Fachgruppensprecherin für Kostüm Nora Scheidl mit einer Gruppe von Kostümbildner/-innen, um berufsrelevante Themen zu besprechen.

• Wie sieht die jetzige Arbeitssituation von Kostümbildner/-innen am Theater/ bei Film und Fernsehen aus?

• Wie geht man mit dem allgegenwärtigen Finanzdruck um z.B. mit der Budgetsituationen, mit kürzeren Werkstattzeiten, mit Personalmangel der Werkstätten?

• Wie mit dem Zeitdruck?

• Wie stark wirkt sich der Finanzdruck auf die Honorare aus?

• Was gibt es für Erfahrungen, um sich gegen oben genannte Belastungen zu wappnen?

• Könnte die stärkere Vernetzung durch z.B. das Kostümforum helfen?

• Wenn ja, in welcher Form?

Komplexe Fragen, die während unserer Kostümbild-Tagung angesprochen wurden, werden nun in Form von Beiträgen unter
Foren und in der Gruppe Fachtagung der Kostümbildner auf der ShowTech 2011 beantwortet und weitergeführt. Außerdem wird für die Gruppe Kostümbildner/-innen – Arbeitsmarkt ein Honorarraster zusammengestellt, um einen Überblick zu erhalten, in welchen Rahmen sich die Gagen für Kostümbildner bewegen.

Um als Mitglied in diese Gruppen eingeladen zu werden, bedarf es der Bereitschaft konkret zu diesen Themen auch einen Beitrag zu leisten, um den Diskurs zu beleben und aus der Fülle der Informationen einen Überblick der Arbeitssituation für Kostümbildner/-innen zu erstellen.

Textilgestaltung und Modedesign: „Fixierte Lebendigkeit“

Hinter dem Titel Fixierte Lebendigkeit verbirgt sich eine außergewöhnliche Kollektion von Kleidungsstücken, die Julia Hartmann und Katharina Pfeiffer gemeinsam in einem freien Projekt entwickelt haben.

Ihre Inspirationsquelle war die Auseinandersetzung mit den Metamorphosen von Lebewesen – und ihr Ziel: den flüchtigen Augenblick von Entwicklungs- und Verfallsstadien festhalten.

Briefing: Das Konservieren und Präparieren von Lebewesen. Lebewesen, die tot sind und doch lebendig aussehen, den zweiten Tod scheinbar noch vor sich haben: das fixierte Leben, makaber einerseits, kunstvoll andererseits.

Umsetzung: Wir haben Arbeitsweisen der Tierpräparation und -konservierung in Textilien und Mode übersetzt: Fossilien, Taxidermie, Insektensammlungen, Konservierung in Formaldehyd und das Archivieren für wissenschaftliche Zwecke. Wichtig war auf der einen Seite, die Stimmung festzuhalten, die beim Betrachten solcher Sammlungen entsteht: spannungsvoll – die Auseinandersetzung mit den toten Lebewesen … Auf der anderen Seite das Kunstwerk „Präpariertes Lebewesen“, das sich scheinbar zwischen Leben und Tod befindet. Diese Ambivalenz spiegelt sich in experimentellen Outfits. Entstanden ist eine gestalterische Arbeit, die sich zwischen Kunst und Mode bewegt.

Stimmungen: Transparenz des Nichts. Lebensgeschichten geschichtet. Zäher Widerstand der Form gegen die Auflösung. Aufgenadelt. Hinter Glas. Fixierte Lebendigkeit. Abgeworfene Körperhülle. Etwas in Form gebracht. Inneres Gerüst. Erstarrt. Stufenweiser Tod.

Julia Hartmann studierte Textildesign an der Kunstakademie Stuttgart und schloß 2011 mit dem Diplom ab. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Katharina Pfeiffer studierte Modedesign an der HS Pforzheim und schloß 2011 mit dem Bachelor ab. Sie lebt und arbeitet in Pforzheim.

„Fixierte Lebendigkeit“ – Video (siehe hier).