„Mode sprengt Mieder – Silhouettenwechsel“

Die Ausstellung Mode sprengt Mieder – Silhouettenwechsel im Münchner Stadtmuseum – siehe unseren Bericht hier – ist nun leider zu Ende gegangen.

Es bleibt allerdings ein schöner Katalog, um sich darüber hinwegzutrösten.

Wie die Ausstellung selbst ist dieses Buch von Isabella Belting erarbeitet worden, die im Münchner Stadtmuseum – aus dem die Exponate stammen – die Sammlung Mode und Textilien betreut.

Um den Spannungsraum von Mode und Mieder zu erkunden, lässt sie eine junge Frau auftreten, die auf eine Zeitreise geschickt wird und aus eigener Erfahrung lebensnah berichtet, wie es sich anfühlt, geschnürte oder ungeschnürte Kleidung zu tragen.

Diese Protagonistin zwängt sich zunächst in die Schnürmieder des Rokoko, gelangt mit den Chemisenkleidern des Directoire und Empire aber schon bald in den Genuss einer freieren Garderobe.

Damit springen bereits bei den ersten Stationen zwei Pole ins Auge, zwischen denen die Mode sich über Jahrhunderte hinweg bewegt hat.

In den beiden folgenden Kapiteln, die den Korsetts der Sans-Ventre-Linie um 1900 und der Reformkleidung nach der Wende zum 20. Jahrhundert gewidmet sind, tritt dieser Gegensatz erneut überaus deutlich hervor.

Die zwei letzten Kapitel beschäftigen sich mit der taillierten Mode der 1950er Jahre und mit den Neuerungen, die mit dem in den 1960er Jahren aufgekommenen Schlankheits-Ideal einhergingen.

Den Abschluss bilden einige Aperçus zur aktuellen Mode und zum Nachwirken der zuvor dargestellten Entwicklungen.

Mithin bleibt es in Bezug auf die Gegenwart bei wenigen Anmerkungen, was allerdings nichts daran nimmt, dass der vorliegende Band sowohl von den Abbildungen wie von den angeführten Quellen her zahlreiche Einsichten und Anregungen vermitteln kann und dass es sich zumal für Kostümbildner/-innen und Kostümschaffende lohnt, sich mit ihm auf eine Reise in die Vergangenheit zu begeben.

Isabella Belting: „Mode sprengt Mieder – Silhouettenwechsel“
144 Seiten, 77 Farbtafeln, 78 farbige und 8 schwarz-weiße Abbildungen
Hirmer Verlag, München 2009
€ 29,90 / SFR 53,50
ISBN 978-3-7774-2491-0

Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek (Berlin): Enrica Morini

Wie bereits angekündigt, findet morgen – also am 21. Mai 2010 – in der Vortragsreihe MODE Thema MODE folgende Veranstaltung statt:

Enrica Morini (Libera Università di Lingue e Comunicazione, Mailand): La Nuova Haute Couture: Chanel e Dior

Veranstaltungsort ist der Vortragssaal des Kulturforums Potsdamer Platz (Matthäikirchplatz, 10785 Berlin).

Beginn ist 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Wegweiser: Musée Galliera – Musée de la Mode de la Ville de Paris

Obwohl sich das im November 2008 freigeschaltete Portal Europeana (siehe hier) noch im Aufbau befindet, kann über es schon eine Unmenge an digitalen Objekten aufgerufen werden: Um die sechs Millionen sollen es gegenwärtig sein, und in naher Zukunft soll sich diese Zahl auf zehn Millionen erhöhen.

Allerdings ist es nicht immer leicht, sich die Fülle von Angeboten nutzbar zu machen, die hinter der eher kargen Homepage des Portals bereitstehen. Wer auf ihr keine zielführenden Suchbegriffe verwendet, droht entweder leer auszugehen oder mit Ergebnissen überflutet zu werden.

Dabei ist Europeana nicht selten ergiebiger als die Internet-Präsenzen der Einrichtungen, die Inhalte beigesteuert haben.

Das gilt beispielsweise für das Musée Galliera – Musée de la Mode de la Ville de Paris.

Informationen zu ihm sind auf dem Portal der Mairie de Paris verfügbar (siehe hier). Die entsprechenden Seiten vermitteln unter anderem auch einen Überblick über die Sammlungen des Museums – das übrigens wegen Renovierung bis Herbst 2011 geschlossen bleibt –, lassen aber nur wenige Stücke näher betrachten.

Ein ungleich besserer Zugriff eröffnet sich dagegen, wenn bei Europeana nach „galliera“ und „costume“ gefragt wird. Siehe hier

Gleicherweise ist ein Besuch bei Joconde zu empfehlen, da die Bestände des Musée Galliera über diese Zwischenträgerin in Europeana eingespeist worden sind. Sie wohnt hier …

Joconde – der Name steht für den zentralen Katalog der Direction des Musées de France – lässt zwar nur auf Französisch mit sich reden. Internautinnen und Internauten, die dieser Sprache mächtig sind, begegnet sie jedoch deutlich einladender und hilfsbereiter, als Europeana das im gegenwärtigen Zustand tut.

Für das Musée Galliera wäre bei Joconde hier nachzuschauen.

Tacherting & München: Gisela Heide

Von heute an sind Bilder von Gisela Heide, deren Katalog personare wir hier besprochen hatten, gemeinsam mit Skulpturen von Hermann Bigelmayr im Kulturhaus Holzapfel in Tacherting zu sehen.

Die Ausstellung ist donnerstags und freitags von 17:00 bis 20:00 Uhr sowie samstags und sonntags von 16:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Sie läuft bis zum 5. Juni.

Weitere Arbeiten von Gisela Heide können bis zum 18. Juni in der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau (Nymphenburger Str. 5, 80335 München) in Augenschein genommen werden.

Die dortige Ausstellung ist von Montag bis Donnerstag von 09:00 bis 16:00 Uhr und am Freitag von 09:00 bis 15:00 Uhr zugänglich.

Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek (Berlin): „MODE Thema MODE“

In der Vortragsreihe MODE Thema MODE, die seit 2003 von der Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek durchgeführt wird, gibt es von April an Gelegenheit, mehrere internationale Referentinnen und Referenten zu hören.

Die nächsten Termine:

  • 30. April 2010 – Valerie Steele (Museum at the Fashion Institute of Technology, New York): Museum Quality: The Rise of the Fashion Exhibition
  • 21. Mai 2010 – Enrica Morini (Libera Università di Lingue e Comunicazione, Mailand): La Nuova Haute Couture: Chanel e Dior
  • 25. Juni 2010 – Christopher Breward (Victoria & Albert Museum, London): Fashioning the Modern Self: Dress, Identity and the Cavalier

Die Veranstaltungen finden im Vortragssaal des Kulturforums Potsdamer Platz (Matthäikirchplatz, 10785 Berlin) statt.

Beginn ist jeweils um 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek (Berlin): „High Sixties Fashion“

Lust auf etwas Schräges? Scharf auf Spacelook oder auf der Suche nach einem Palazzo-Pyjama? Dann ist eine Ausstellung zu empfehlen, die von heute bis zum 1. August in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin gezeigt wird. Unter dem Titel High Sixties Fashion: Modefotografie und -illustration zeigt die Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek dort einen Überblick über die Mode der 60er, für den ihre Bestände insbesondere auf das Jahrfünft zwischen 1964 und 1969 hin durchforscht wurden.

Den Katalog dazu gibt es beim Verlag der Buchhandlung Walther König.

„Luise. Die Kleider der Königin“

Sie „wär’ in Hütten Königin der Herzen“ und sei „der Anmuth Göttin auf dem Thron“ – so hat August Wilhelm Schlegel im Juli 1798 der Königin Luise von Preußen gehuldigt, und ähnlich haben zahlreiche andere Zeitgenossen neben ihrer Natürlichkeit ihre Schönheit und ihre Eleganz gepriesen.

Es überrascht deshalb nicht, dass die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten bei einer der drei Ausstellungen, die sie der Königin Luise aus Anlass ihres 200. Todestags widmet, die Kleidung der Herrscherin in den Mittelpunkt rückt.

Obwohl diese Ausstellung erst am 31. Juli eröffnen wird – sie wird im ehemaligen königlichen Landhaus Paretz stattfinden –, ist bereits ein Katalog verfügbar, der für sich schon Beachtung verdient.

Der Band gliedert sich in zwei Teile. Im ersten werden in zehn Aufsätzen einzelne Aspekte wie Luises Mitgift, die „Nuditäten-Mode“ um 1800, der Bezug zum Modemarkt oder Kleidergeschenke seitens Napoleons und des Zaren Alexander I. behandelt.

Den zweiten bildet der eigentliche Katalog, der fünf Kapitel zu den Themen „Kleider und Accessoires“, „Frisuren und Kosmetik“, „Juwelen und Pretiosen“, „Kostümierungen“ und „Luises Brauteinzug“ enthält.

In beiden Teilen wird zum einen die von Gemälden und Stichen her bekannte Garderobe der Königin unter Rückgriff auf zeitgenössische Quellen – vor allem das Journal des Luxus und der Moden – erschlossen und eingeordnet; zum anderen werden die verschiedenen – in der Mehrheit aus dem Nachlass der Königin stammenden – Exponate in ihren biographischen und (mode-)historischen Zusammenhängen erörtert.

Dabei ergibt sich nicht zuletzt durch die Auswertung von Dokumenten wie Rechnungen oder Inventarlisten ein sehr lebensnaher Eindruck.

Kostümbildner/-innen und Kostümschaffende können in diesem Buch mithin eine sowohl umfassende wie auch ins Detail gehende Darstellung der Garderobe einer Herrscherin in der Zeit um 1800 finden.

Und wer mit der Terminologie dieser Epoche noch nicht vertraut ist, wird durch ein im Anhang beigefügtes „Glossar zu Textilien und Kostümkunde“ unterstützt.

„Luise. Die Kleider der Königin – Mode, Schmuck und Accessoires am preußischen Hof um 1800“
Herausgegeben von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Bearbeitet von Bärbel Hedinger, Adelheid Schendel und Stefan Schimmel
288 Seiten, 63 Farbtafeln, 256 farbige und 24 schwarz-weiße Abbildungen, gebunden
Hirmer Verlag, München 2010
€ 34,90 / SFR 56,90
ISBN 978-3-7774-2381-4

GTKos im Netz

Die Internet-Präsenz der Gesellschaft für Theaterkostümschaffende (GTKos) ist vor kurzem ins Netz gestellt worden. Siehe hier …

Die GTKos ist aus der ersten „Tagung der Kostümschaffenden“ hervorgegangen, die 2007 im Rahmen der SHOWTECH in Berlin stattfand.

Nach der SHOWTECH 2011 soll die GTKos in einen eingetragenen Verein oder in einen Verband umgewandelt werden.

Wir unterstützen diese von Angelika Hebeisen (Luzern) und Werner Pick (Stuttgart) getragene Initiative und wünschen der GTKos viel Erfolg!

Mitglieder & Gruppen

Wir freuen uns, einige neue Funktionen anbieten zu können, die es erlauben, sich hier in einer Gemeinschaft zu vernetzen.

Um sich an diesem Netzwerk zu beteiligen, ist es notwendig, ein Benutzerkonto zu erstellen und Mitglied zu werden.

In erster Linie sind hierzu Kostümbildner/-innen und Kostümschaffende eingeladen. Vertreter benachbarter und verwandter Berufe, die einen Bezug zum Kostümbild haben, sind ebenfalls willkommen.

Bei der Erstellung eines Benutzerkontos werden einige persönliche Daten abgefragt, die von uns nicht für gewerbliche Zwecke verwendet werden.

Die Mitgliedschaft ist kostenlos.

Weitere Einzelheiten sind unseren AGB (siehe hier) zu entnehmen.

Mitglieder können Kommentare zu Beiträgen im Blog schreiben, bestehenden Gruppen beitreten oder eigene Gruppen gründen (die je nach Bedarf öffentlich oder privat sein können), Freundeskreise bilden …

… und unter ihrem Profil eigene Bilder hochladen, wobei ausgewählt werden kann, ob diese für alle Besucher, nur für Mitglieder oder nur für Freunde zugänglich sein sollen.

Darüber hinaus wollen wir Mitgliedern in näherer Zukunft noch die Möglichkeit eröffnen, Dateien über einen gemeinschaftlich genutzten Speicherplatz auszutauschen.

Die Mehrzahl dieser Angebote verdankt sich der Nutzung von BuddyPress. Einen Überblick über die Komponenten, die diese Software umfasst, gibt es hier …

Natürlich ist noch nicht alles bis ins Letzte ausgefeilt. Für Hinweise und Anregungen sind wir deshalb besonders dankbar.

Oscar für Sandy Powell

Eine Kleinigkeit, die noch nachzutragen ist: Bei den diesjährigen Oscars wurde auch wieder ein Preis in der Kategorie „Costume Design“ verliehen. Er ging an Sandy Powell für das Kostümbild in The Young Victoria. Nominiert waren daneben Colleen Atwood für Nine, Catherine Leterrier für Coco Before Chanel, Janet Patterson für Bright Star und Monique Prudhomme für The Imaginarium of Doctor Parnassus. Weitere Informationen gibt es hier

Sandy Powell hat damit nach Auszeichnungen für Shakespeare in Love (1998) und The Aviator (2004) ihren dritten Oscar erhalten.

Für The Young Victoria wurde sie ebenfalls von der British Academy of Film and Television Arts mit dem „Award“ in der Sparte Kostümbild geehrt. Nominiert waren dort neben ihr Odile Dicks-Mireaux für An Education, Catherine Leterrier für Coco Before Chanel, Janet Patterson für Bright Star und Arianne Phillips für A Single Man.

Veröffentlicht unter Preise

Münchner Stadtmuseum: „Mode sprengt Mieder – Silhouettenwechsel“

Bis zum 16. Mai läuft im Münchner Stadtmuseum noch die Sonderausstellung Mode sprengt Mieder – Silhouettenwechsel, die einen Bogen von den Schnürmiedern des Rokoko über die Chemisenkleider des Directoire und Empire, die Korsetts der Sans-Ventre-Linie, die Reformkleidbewegung, die 1950er und die 1960er Jahre bis hin zur Gegenwart schlägt.

Begleitend veröffentlicht der Hirmer Verlag einen Katalog, für den Isabella Belting verantwortlich zeichnet (144 Seiten, 77 Farbtafeln, 78 farbige und 8 schwarz-weiße Abbildungen, € 29,90 / SFR 53,50).