Niccolò Machiavelli: „Der größte Feind der neuen Ordnung ist, wer aus der alten seine Vorteile zog“

Berlin: Bund der Szenografen – Vollversammlung am 13. September 2014

Hiermit lade ich Euch zur Mitglieder-Vollversammlung am Samstag, den 13. September, um 14:00 Uhr im Theaterhaus Mitte ein. Interessierte Kolleginnen und Kollegen, die sich über unsere Verbandsarbeit in den Bereichen Bühnen- und Kostümbild, Videokunst und Puppenspiel informieren wollen, sind herzlich willkommen.

Wir werden darüber sprechen, wie wir unseren Berufsstand weiter stärken und unsere Arbeitsbedingungen verbessern können.

Wie wichtig es ist, sich in diesem Sinn zu organisieren, hat sich unlängst daran erwiesen, dass der Bund der Szenografen für unsere künstlerische Arbeit eine verbindliche Festsetzung der Umsatzsteuer auf 7% erwirken konnte.

Eines der Themen, die nun anstehen, ist der Mindestlohn von 8,50 €.

Dankenswerterweise sieht der entsprechende Gesetzentwurf vor, dass Praktika, die länger als sechs Wochen dauern, mit mindestens 8,50 € pro Stunde vergütet werden müssen. Etliche Stimmen aus der Kultur- und Medienbranche drohen nun, dass sie unter derartigen Voraussetzungen keine Praktikumsplätze mehr anbieten könnten.

Meine Meinung hierzu ist:

  • Es darf nichts mehr – wie leider üblich – als Praktikum deklariert werden, was keines ist!
  • Ein Praktikum darf in einem künstlerischen Bereich nicht schlechter bezahlt werden als in einem anderen!
  • Auch unsere Gagen müssen allerwenigstens einem Mindestlohn von 8,50 € gleichkommen!

Diese Wünsch werden allerdings kaum von selbst in Erfüllung gehen …

Ich würde mich also freuen, viele Mitglieder des Kostümforums auf unserer Vollversammlung begrüßen zu können.

Hier mehr Informationen über den Bund der Szenografen e.V.

Ort:
Das Zelt im Garten vom Theaterhaus Mitte
Wallstr. 32, Haus C
10179 Berlin

Zeit:
Samstag, den 13. September, 14:00 Uhr

Veröffentlicht unter Aufruf

Luzern: Wettbewerbsausschreibung „Prix Juste-au-Corps“ 2015

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Wettbewerbsausschreibung
Sie sind JungdesignerIn und Mode und Theater sind Ihre Welt? Bereits zum achten Mal schreibt das Luzerner Theater mit dem Prix Juste-au-Corps den in Europa einmaligen Förderpreis für Kostümdesign aus. Junge Talente erhalten die Möglichkeit, das Kostümbild für zwei Figuren aus der bekannten Oper La Bohème von Giacomo Puccini zu gestalten, Theatererfahrung zu sammeln und ihr Werk einer internationalen Jury und der Öffentlichkeit zu präsentieren. Als Preis winkt ein Vertrag für ein Kostümbild am Luzerner Theater mit einem Honorar von CHF 10.000 und als Publikumspreis eine BERNINA-Nähmaschine.

Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2014

Weitere Informationen zum Wettbewerb
ab dem 4. August 2014
Luzerner Theater
Aylin Leysieffer
Tel. +41 (041) 2281408

aylin.leysieffer@luzernertheater.ch

Paul Green: Berlin Burlesque

Dieser Fotoband widmet sich der unter dem Namen “New Burleske” bekannt gewordenen Wiederbelebung eines Genres, das in den 1930er Jahren in den USA seine erste Hochblüte hatte. Der “Glamour”, um den es hier geht, meint nicht zuletzt aufwendig gearbeitete Kostüme, die dazu dienen, weibliche und männliche Körper faszinierend in Szene zu setzen. Diese “Verführung” beinhaltet natürlich auch, dass mit den Kostümen gespielt wird – wobei es im Unterschied zum Striptease nicht unbedingt darauf ankommt, sich ihrer gänzlich zu entledigen. Das mag manche Zuschauer/-innen enttäuschen, macht es indes für uns als Kostümbildner/-innen vielleicht nur um so reizvoller, uns mit solcherlei “Frivolitäten” zu beschäftigen …

 

(c) Paul Green, Berlin Burlesque

(c) Paul Green, Berlin Burlesque

 

Paul Green:
Berlin Burlesque
Broschur, 131 farbige Fotos, 120 Seiten
Jaron Verlag
€ 19,99
ISBN 978-3-89773-720-4

Dieser Band kann hier beim Verlag erworben werden.

Textile Art Berlin 2014

Die 10. internationale Textilkunst-Messe Textile Art Berlin findet am 28. und 29. Juni in Kreuzberg statt und bietet dem Besucher in diesem Jahr 130 Verkaufs- und Infostände, 24 Ausstellungen, 28 Künstlerworkshops, Mitmachaktionen sowie Filme und fachinformative Vorträge und Modenschauen und einer „Liebhaber-Börse rund um textile Schätze“

Es gibt u.a. Batik, Fiber-Art, Filz, Ikat, Klöppeln, Papier, Patchwork und Quilt-Art, Perlenarbeiten, Seidenmalerei, Spinnen, Sticken, Stoffdruck, Stricken, Upcycling und natürlich Weben.

Ort: Carl-von-Ossietzky-Schule in der Blücherstraße 46,47 in 10961 Berlin/Kreuzberg

Zeiten: Samstag 28. Juni von 10-18 Uhr und Sonntag 29. Juni von 10-17 Uhr
Modenschauen: Samstag 28. Juni 2014: 19.00–21.00 Uhr, 10 Euro.

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Opéra National de Lorraine: Stellenausschreibung für Werkstattleitung und Aufnahmeleitung

Eingegangen am 21. Februar 2014

Die „Opéra National de Lorraine“, unter der Leitung von Laurent Spielmann, sucht einen/e

Leiter/-in der Schneiderwerkstat (technische Ausbildung – Kategorie B)

Aufgaben: Umsetzung sämtlicher technischer Pläne, die zur Konzeption und Anfertigung der Kostüme für die Erstaufführungen und Produktionen benötigt werden. Anfertigung sämtlicher Kostüme. Verwaltungsleitung der Schneiderei

Qualifikation: Englisch- sowie Informatikkenntnisse (CAO, DAO, Computermodellierung…)

Die Stelle ist ab Mai 2014 zu besetzen.

Bewerbungen (Anschreiben, Lebenslauf, Foto) spätestens bis Freitag, den 28. Februar zu Händen von Herrn Directeur de l’Opera national de Lorraine – 1, rue Sainte Catherine – 54000 – oder per Mail an opera@opera-national-lorraine.fr. Allgemeine Auskunft: Evelyne Hazotte – 33 3  83 85 30 20. Auskunft über die ausgeschriebene Stelle: Hélène Congost – 33 3 54 50 60 83.

Die „Opéra National de Lorraine“, unter der Leitung von Laurent Spielmann, sucht einen/e

Aufnahmeleiter/-in  (technische Ausbildung – Kategorie B)

Aufgaben: Koordination zwischen den Abteilungen:

Planungsverantwortung: Ausarbeitung und Durchführung der allgemeinen Planung (künstlerischer und technischer Art, Orchester) Ausarbeitung und Durchführung der Produktionsplanung (Proben, Anprobe, Maske, Friseur). Ausarbeitung und Durchführung der Planung für Bereitstellung, Instandhaltung und Stimmen der Klaviere. Deklination einer Allgemeinplanung mit Hilfe von Tagesplänen. Aufnahmeleiter (Proben und Aufführungen). Verantwortlicher für Statistenrollen (Auswahl, Arbeitszeiten, Disziplin). Ggf. Verantwortlicher für Kinder auf der Bühne. Koordination/Disziplin der Künstler und Technik auf der Bühne. Verantwortlicher für weitere Regisseure

Qualifikation: Englischkenntnisse sind erforderlich, Italienisch- und Deutschkenntnisse wären von Vorteil

Die Stelle ist ab Mai 2014 zu besetzen.

Gute Nachrichten aus den Finanzministerien Sachsen und Berlin

Aus der Newsletter des Bundes der Szenografen vom 18.12.2013:

Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer des Bund der Szenografen e.V., sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten Euch und Sie darüber informieren, dass wir erneut einen großen Erfolg in der Umsatzsteuerproblematik gemacht haben!

In den Finanzministerien Sachsen und Berlin haben sich die Referatsleiter der Ministerien Ende November darauf verständigt, im Fall von Verträgen zwischen Bühnen- oder Kostümbildnern und Theatern als Regelfall anzunehmen, dass es dabei auf “die schöpferische Leistung des beauftragten Bühnen- oder Kostümbildners ankommt” und Vertragsinhalt die Übertragung von Urheberrechten ist. Das bedeutet, dass eindeutig der ermäßigte Umsatzsteuersatz anzuwenden ist. In Kürze soll dazu ein Schreiben im Bundessteuerblatt Teil I veröffentlicht werden.

Gleichzeitig weisen beide Ministerien darauf hin, dass “Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Rechten” den wesentlichen Vertragsinhalt ausmachen sollen – und geben damit einen Teil der Verantwortung für die angemessene Besteuerung an die Theater zurück.

Hoffen wir, dass weitere Bundesländer bald nachziehen!

Bund der Szenografen e.V.

 

Zumal als Vorstandsmitglied des Bundes der Szenografen freue ich mich sehr über diese Entwicklung.

Ich hoffe ebenfalls, dass hiermit ein entscheidender Schritt für mehr Rechtssicherheit bezüglich der Besteuerung unserer künstlerischen Leistung nach ermäßigtem Umsatzsteuersatz getan ist.

Es wäre nur folgerichtig, wenn die von den genannten Finanzministerien vertretene Sicht der Dinge dann auch in unseren Werkverträgen mit Schauspielhäusern umgesetzt würde. Der Bund der Szenografen entwickelt derzeit gemeinsam mit Rechtsanwalt Oliver Kummer einen entsprechenden Mustervertrag, der in naher Zukunft mit Vertretern des Deutschen Bühnenvereins erörtert werden soll.

Wie gesehen hat der Bund der Szenografen in diesem Jahr schon sehr viel für uns erreicht. Damit unser Berufsverband im kommenden Jahr mit noch größerer Durchsetzungskraft arbeiten kann, möchte ich allen Kolleginnen und Kollegen, die noch nicht Mitglied sind, einen Beitritt nahelegen.

 

Werde Mitglied beim Bund der Szenografen!

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Berlin: Große Party im Grünen Salon

 

Ohne Doping geht es nicht!

Der Bund der Szenografen möchte mit allen Theaterkunstgeschaffigen feiern, tanzen ….

Dafür ist der Grüne Salon an der Volksbühne am 3. November reserviert.

Für Musik ist gesorgt.

Um zahlreiche Erscheinungen mit Stimmung wird ausdrücklich ersehnt!
 

Einladung

Einladung


 

Ort: Grüner Salon in der Volksbühne
am Rosa-Luxemburg-Platz (Berlin)

Zeit: Sonntag, 3. November
Einlass: ab 19:00 Uhr

NDR: Das Kulturjournal spricht mit Theaterschaffenden über die bestehende Steuerpolitik

Gesendet am 14. Oktober um 22:45 Uhr

 

Ungerechte Steuerpolitik für Theatermacher – Warum Bühnenbildner in ihrer Existenz bedroht sind
Wenn das Finanzamt sich meldet, ist das oft kein Grund zur Freude. Viele freischaffende Bühnen- und Kostümbildner trifft es allerdings gerade besonders hart: Denn statt bislang 7 Prozent Umsatzsteuer müssen sie nun oft 19 Prozent abführen. Gerade Berufsanfänger, die ohnehin keine hohen Honorare bekommen, sind durch diese Erhöhung in ihrer Existenz bedroht. Die höhere Steuer müssen sie aus der eigenen Tasche bezahlen, von den Theatern bekommen sie nicht mehr. Auch einige etablierte Bühnenbildner müssen hohe Summen für die letzten sechs Jahre nachzahlen. Regisseure und Choreographen dagegen sind neuerdings von der Umsatzsteuer befreit. Eine Ungleichbehandlung, die nur schwer nachzuvollziehen ist. Das Kulturjournal spricht mit Theaterschaffenden über diese Steuerpolitik und die Folgen für die Theater.

Kunstmuseum Wolfsburg: Slapstick!

Slapstick – so wird im Englischen die Narrenpritsche genannt, ein Requisit, dessen Leisten mit lautem Knall aufeinanderklatschen, wenn ein Schelm einen anderen verhaut.

Und natürlich ist Slapstick auch der Name eines Genres, das seinerseits in der Tradition der Commedia dell’arte steht und zu dem Filme wie die von Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd oder Laurel & Hardy gehören.

Was aber hat moderne Kunst damit zu tun?

Dieser Frage geht eine Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg nach.

Sie stellt Arbeiten zeitgenössischer Künstler mit einigen der Klassiker des Slapstick-Films zusammen. So wird etwa Der Lauf der Dinge von Peter Fischli und David Weiss mit Chaplins Modern Times zusammengebracht. In einem anderen Raum wird Deadpan von Steve McQueen neben Steamboat Bill Jr. von Buster Keaton gezeigt. Und neben The Battle of the Century von Laurel & Hardy sind das Video Tortenschlacht von Alexej Koschkarow und 32 Torten von Vincent Olinet zu sehen.

Wirken diese Zusammenstellungen ähnlich schlagend, wie wenn die Leisten einer Narrenpritsche aufeinandertreffen?

Für mich war das in dieser Ausstellung weniger wichtig. Als Kostümbildnerin fand ich es eher bewundernswert, was unsere – vielfach leider unbekannt gebliebenen – Kolleginnen und Kollegen in den klassischen Slapstick-Filmen geleistet haben, denn sie haben diese mit der gleichen Präzision ausgestattet wie sie hinter der scheinbaren Leichtigkeit eines Chaplin oder Keaton steht.

Also Hut ab … und autsch!

Die Ausstellung läuft noch bis zum 02.02.2014.

P.S.: Am Samstag, den 24.08., gibt es in Wolfsburg eine Slapstick!Night.

Torten 2007 32 Torten, Holz, Styropor, Zucker, Kunstharz. Jede Torte ca. 35 x 30 x 30 cm Courtesy Galerie Ruth Leuchter, Düsseldorf und Galerie Laurent Godin, Paris

Torten 2007
32 Torten, Holz, Styropor, Zucker, Kunstharz. Jede Torte ca. 35 x 30 x 30 cm
Courtesy Galerie Ruth Leuchter, Düsseldorf und Galerie Laurent Godin, Paris

Berlin: Interdisziplinäre Improvisationswerkstatt

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Das Kostümkollektiv bietet monatlich das Werkstatt-Format Kostüm + an. Hier können Künstler auf und hinter der Bühne gemeinsam in Improvisationen einen bestimmten Aspekt von Kostümbild erforschen. Diese Aspekte sind z.B. bisher gewesen: Bewegung, Text, Rolle und Körper.

Unter Anleitung von einer Kostümbildnerin und einer Partnerin aus einem anderen Fach der Bühnenkunst ( z.B. Tanz, Regie, Schauspiel, Performance, Theaterpädagogik oder Kulturwissenschaft…) untersuchen wir Kostüme und Material aus unserem Fundus und loten Ansätze und Parameter des jeweiligen Themenfeldes aus.

Die Workshopleitung ist erfahren in der Anleitung und Vermittlung und schneidet ihre Methoden extra auf das jeweilige Thema zu.

Die kommende Werkstatt beschäftigt sich mit der Persona, dem öffentlichen Ich auf der Bühne in Performance, Aktion und Präsentation:
Wie viel Ich steckt in einem Kostüm? Wie viel Kleidung ist Verkleidung? Kostüm wird als wichtiger Partner der Bühne, Aktion und Präsentation erforscht. Diesmal ist das Forschungsthema die Identität des öffentlichen Ich. Material aus unserem Fundus dient als Arbeitsgrundlage. Diese Werkstatt richtet sich an alle Künstler auf- und hinter der Bühne, ob Performance, Tanz, Schauspiel, Musik oder Pädagogik.

Leitung: Tanja Arthur (Performerin, Regisseurin und Kulturwissenschaftlerin) und Muriel Nestler (Bühnen- und Kostümbildnerin)

Hier können Sie sich anmelden:

So | 25. August | 11:00 -17:00 Uhr
Treffpunkt im Kostümkollektiv | Kunstquartier Bethanien
Unkostenpauschale: 35 €
Anmeldung bitte bis 15. August unter: workshop[at]kostuemkollektiv.de
Nächster Termin: 21. September (Kostüm + Spiel)

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Berlin: Rundgang an der Universität der Künste

Wie jedes Jahr endet das Sommersemester an der UdK mit einem dreitägigen Rundgang (Siehe hier)

An neun verschiedenen Standorten der UdK sind die Ateliers, Studios, Werkstätten und die Probebühne für interessierte Besucherinnen und Besucher geöffnet.

Zeit:
12. bis 14. Juli 2013
Fr 13-22 Uhr, Sa 11-22 Uhr, So 11-20 Uhr

Ort:
UdK Berlin
Hardenbergstr. 33
10623 Berlin

Hier eine Einladung des Studiengangs Kostümbild:

udk_rundgang

Berlin: Es kommt, was kommen musste …

Herausgegeben von Anna Eiermann am 5. Juli 2013

Es kommt, was kommen musste…
und man kann sich über die Kurzsichtigkeit aller Verantwortlichen nur wundern!
Wie schön wäre es, mal wieder mit Lust und Freude seine Arbeit machen zu können, ohne vor existenzvernichtender Finanzamtspost Angst haben zu müssen.

Schon seit Veröffentlichung des geplanten Jahressteuergesetzes 2013 häuften sich bei Kostüm- und Bühnenbildnern Umsatzsteuernachforderungen zum 19% Satz. Die Begründungen sind umständlich, angreifbar und ganz sicherlich ehrabschneidend für unseren künstlerischen Beruf.

Im Rahmen der Planungen des Jahressteuergesetzes 2013 wurde durch politischen Eingriff die Inkraftsetzung des BFH Urteils ( XI R 44/08) durch Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt verhindert. Dieses BFH Urteil, das sogenannte „Steckelurteil”,  wäre es denn veröffentlicht worden, hätte bedeutet, dass alle Regisseure und Choreographen künftig, und auch für die Vergangenheit, 19% Umsatzsteuer zu zahlen bzw. nachzuzahlen hätten. Für sie, aber auch für die Theaterlandschaft eine Katastrophe.

Daher das Jahressteuergesetz 2013, eine Notrettungshilfe der Politik, die Regisseure und Choreographen künftig komplett von der Umsatzsteuer befreit, aber Bühnen- und Kostümbildner ausdrücklich ausschließt.
Niemand, der sich im Theater auskennt, versteht’s!
Aber die Finanzämter verstehen das sehr wohl: dieses BFH Urteil in höchster Instanz existiert ja, es ist keinesfalls ungültig.

Und kaum ist besagtes Jahressteuergesetz 2013 endlich und endgültig Anfang Juni verabschiedet, passiert logischerweise Folgendes: In der Einspruchsentscheidung des Finanzamtes Detmold Mitte Juni gegen Bühnenbildnerin A.D. wird das BFH Urteil zitiert, als hätten sie darauf gewartet:

„Im BHF Urteil vom 04.05.2011 (XI R 44/08) wurde die Anwendung des Regelsteuersatzes auf Umsätze im Zusammenhang mit der Inszenierung einer Oper durch einen selbstständig tätigen Regisseur entschieden. Daraus ergibt sich eine analoge Anwendung auf die Tätigkeit als selbstständige Bühnenbildnerin.”

Die Kurzsichtigkeit der Politik, aber auch der Standesvertretung „Bühnenverein” ist wahrhaft beklagenswert und unverständlich. Unsere wesentlichen Theaterberufe wurden im Regen stehen gelassen.
Aber alle am Jahressteuergesetz 2013 Beteiligten haben sich gefreut und sich selber heftig gelobt und gefeiert.

Bühnenbildnerin A. D. wird jetzt klagen müssen. Es könnte sein, dass diese Klage für uns alle maßgeblich sein wird. Vielleicht wird sie durch alle Instanzen hindurch müssen – und wenn nicht sie, dann jemand anderes.
In der Vergangenheit haben uns weder Politik noch Standesvertretungen unterstützt. Möge es bald anders werden. Bis dahin müssen wir selbst etwas tun!

Ein Rechtsanwaltsanderkonto des „Rechtshilfefonds Umsatzsteuer für Bühnen- und Kostümbildner” ist unter folgender Kontoverbindung ab sofort eingerichtet:

Rechtsanwältin Werra Katharina von Swieykowsi-Trzaska
Konto Nr. 105784303  bei der Deutschen Bank Berlin
BLZ 10070024
IBAN: DE 89 1007 0024 0105 7843 03
BIC ( SWIFT-CODE ) DEUTDEDBBER

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Berlin: Akademie protestiert gegen Entscheidung des Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien

Erschienen am 06.06.2013 um 15:00 Uhr auf dem Blog der Akademie der Künste (Sieh hier)

Künstlersozialkasse gefährdet

Der Ausschuss für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag hat am 5. Juni eine nicht nachvollziehbare Entscheidung getroffen, die schwerwiegende Folgen für die soziale Lage tausender Künstler und Künstlerinnen nach sich ziehen kann. ?Indem die regelmäßige Überprüfung der Künstlersozialabgabepflicht von Unternehmen durch die Träger der Rentenversicherung nicht mehr per Gesetz vorgeschrieben wird, entsteht für die Künstlersozialkasse eine voraussehbare Notlage. Da säumige Unternehmen, die der Abgabepflicht nicht nachkommen, keine ernsthaften Sanktionen zu befürchten haben, werden jene bestraft, die der Versicherungspflicht nachkommen und in Zukunft mit höheren Abgabesätzen rechnen müssen, um die zu erwartenden Ausfälle zu kompensieren.

Die Akademie der Künste fordert den Bundestag nachdrücklich auf, in den wenigen verbleibenden Tagen der laufenden Legislaturperiode die Schaden stiftende Entscheidung des Kulturausschusses zu revidieren. Im Sinne der Beitragsgerechtigkeit muss die regelmäßige Überprüfung der zu Abgaben an die Künstlersozialkasse verpflichteten Unternehmen unbedingt beibehalten werden.

Klaus Staeck
Präsident der Akademie der Künste

Berlin: Bundesweite Solidarisierung der Bühnen – und Kostümbildner

23. Juni 2013

Pressemitteilung herausgegeben von Andreas Auerbach.

Unter dem Aufruf „Auftauchen und Szene” zeigen” trafen sich am 22. Juni 2013 in Berlin zahlreiche Bühnen- und Kostümbildner aus dem gesamten deutschsprachigen Theaterraum, um einen schlagkräftigen Berufsverband zu schaffen.

Wie dringend der Bedarf einer handlungsfähigen Interessenvertretung ist, wird am Beispiel der aktuellen Umsatzsteuerproblematik besonders deutlich.
Nachdem nun endlich Anfang Juni das Jahressteuergesetz 2013 verabschiedet wurde, welches zumindest Regisseuren und Choreografen Rechtssicherheit bietet und sie künftig von der Umsatzsteuer befreit, sind im Gegenzuge neuerdings Bühnen- und Kostümbildner zunehmend Nachforderungen zum vollen 19%igen Umsatzsteuersatz ausgesetzt.
Diese Nachforderungen über 6 Jahre, verbunden mit 6% Zinsen sind ruinös und existenzbedrohend.

Hier gab es Einigkeit der Teilnehmer, einen Solidaritätsfond aufzulegen, um betroffenen Kollegen die Möglichkeit zu geben, sich erfolgreich juristisch zu wehren.

Daneben sind es aber auch die sich radikal verschlechternden Arbeitsbedingungen, dramatisch sinkende Honorare und die zunehmende Perspektivlosigkeit des künstlerischen Nachwuchses, die einen starken Berufsverband notwendig machen.
Bühnen- und Kostümbildner wurden ausdrücklich von den Erleichterungen des Jahressteuergesetzes ausgenommen, mit der ignoranten Begründung, nur Regisseure trügen “entscheidend” zur Realisierung eines Theaterabends bei.

Die Teilnehmenden empfinden dies auch, absurderweise anhand eines Umsatzsteuergesetzes, als eine Herabwürdigung ihres ebenfalls entscheidenden künstlerischen Beitrags an den Theaterinszenierungen.