Prager Quadriennale 2019: Weltausstellung für Performance Design

Bevor ich am Montag den 10. Juni das Messegelände in Prag betreten habe, hatte ich das PQ Programm studiert und mir Notizen gemacht, welche Orte ich auf der PQ besuchen möchte. Doch schon nach einigen Stunden auf dem weitläufigen Gelände mit seinen großen Messehallen und den Nebengebäude, verwarf ich meine Notizen und ich ging auf Entdeckungstour und ließ mir Zeit in die Ausstellungsbeiträge, Räume und Performances einzutauchen und an Gesprächsrunden, Videopräsentationen und Virtual Reality-Installationen als Besucherin teilzunehmen. Eine Weltausstellung in dieser Größe und in dieser Vielfältigkeit der Beiträge, hat mich sehr beeindruckt und mir aufgezeigt, dass Performance Designer/-innen Schauplätze erfinden, die nicht unbedingt für das institutionelle Theater gedacht sind. Die kreative Auseinandersetzung mit dem nationalen und internationalen Lebensraum und das wachsende politische, ökonomische und ökologische Bewusstsein der Künstler sind Inhalte vielfältiger Installationen und Gesprächsrunden.

Die Künstler/-innen forschen in ihrem unmittelbaren Umfeld oder öffnen sich für den internationalen Austausch, der durch digitale Medien vielfältige Formen annimmt. Auch die Besucher werden zu Protagonisten in dramaturgisch durchdachten und inszenierten Installationen und Performances. Ich spüre eine Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit von theatralischen Sehgewohnheiten, die von den etablierten hierarchisch strukturierten Theaterbetrieben in Deutschland und auch in Europa nach wie vor vorgegeben werden. Diese vielversprechende Entwicklung eröffnet neue Räume zum Spielen, Forschen und für den Austausch und der Vernetzung und sind Impulse, die früher oder später auf den etablierten Bühnen Einzug halten werden oder auch schon im Ansatz Einzug gehalten haben. dies wurde auf dem PQ-Gespräch Scenography, Architecture and Urban Space im Gespräch mit Sebastian Hannack und Florian Lutz über die Opernproduktion Raumbühne Heterotopia an der Oper Halle erfahrbar.

Interessant war für mich auch der PQ-Gespräch über die Lehre des Performance Designs: Ansichten, Perspektiven und Entwicklung. AMERIKA – EUROPA – ASIEN. In einem moderierten Gespräch Was hat die Akademie für die Szenografie getan? stellte unter anderen der Prof. Sávio de Araújo (Federal University of Rio Grande do Norte) aus Brasilien in seinem Beitrag über seine Lehre in einer einfachen Zeichnung dar, dass der Regisseur und Performance Designer nicht die ausschließlichen Kreateure einer Produktion sind, sondern dass eine Bühnenproduktion von vielen Gewerken erarbeitet wird. Es sind Teams, die eine Produktion mitgestalten und tragen und es ist von Bedeutung sich dies als Leitungsteam immer wieder bewußt zu machen. Auch zeigte er anhand einer Tabelle die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Bühnentechnik auf.

Die Professorin Thea Brejzek (University of Technology, Sydney). vertrat die Meinung, dass Studierende sehr viel mehr über Performance Design außerhalb der Hochschule und Universitäten lernen und sie ermuntert dazu, während des Studiums an den Theatern oder auch in anderen kreativen Disziplinen zu arbeiten, um dann überhaupt eine Chance zu haben in der Kreativwirtschaft bestehen zu können.

Ein neues Zuschauererlebnis hatte ich mit drei Beiträgen der Länder und Regionen, die ich mir durch eine Virtual Reality Brille anschaute.

Es waren ganz unterschiedliche Genre aus Polen, Irland und Bulgarien, die in einem 3D -Format zu sehen waren. Anfangs kam ich mir vor wie ein Pferd mit Scheuklappen, da diese Brille meine Außenwahrnehmung der Umgebung völlig abschottete.

Aporia.The City and the City/Polen: Eine Film-Reise durch eine Science-Fiction-Stadt mit computeranimierten Figuren. Auf meinem Weg durch die Metropole lösten sich Hindernisse subjektiv an meinem Körper auf. Ich konnte durch eine 360 Grad Körperbewegung die kommenden Filmeinstellungen, die Parallelhandlungen und die vergangenen Filmeinstellungen sehen.

Design and Destroy/Irland: Ich verfolgte mit der 3D Brille ein Interview mit einem irischen Bühnenbildner und konnte einen Rundblick in sein Atelier werfen. 

Conglomerate/Bulgarien: Es wurden mir Ausschnitte aus Theateraufführungen gezeigt und ich hatte einen Einblick in die Seitenbühne und in den leeren Zuschauerraum.

In den drei Tagen meines Aufenthaltes besuchte ich viele Ausstellungsformate und Gesprächsrunden. Ich habe nicht alles gesehen und am Donnerstag Abend den 11. Juni wurden 28 Ausstellungsbeiträge von einer internationalen Fachjury in einer Vielzahl von Kategorien ausgezeichnet.

Der Jurypreis ging an Bert Neumann mit dem Ausstellungsbeitrag Service – No Service. Eine Hommage an einen radikalen Designer, der 2015 zu früh verstarb. Seine Praxis hat sowohl in seinem lokalen Theater als auch weltweit Wirkung gezeigt, mit einer einzigartigen Verbindung zwischen Theater und Architektur. Es wird mit Wirtschaftlichkeit und Authentizität realisiert.

Exzellenz im Leistungsdesign
Eine von sechs ausgezeichneten Persönlichkeiten ist Jerildy Bosch/Mexiko
Die Arbeit des Kostümbildners öffnet ein Fenster zu materialgesteuerten, körperzentrierten kreativen Forschungsprozessen; Silence of the Lambs trifft auf den Tag der Toten, um menschliches Gewebe durch Experimente und die Entwicklung neuer Biomaterialien neu zu erfinden.

Forensic Approaches/ Mexiko
Das Konzept dieses Pavillons basierte auf einem Labor von Prozessen, die sich an der Erforschung des Gedächtnisses orientierte.

Quebec untersuchte die tiefgreifenden Veränderungen, die die Entstehung einer Szenografie der Zukunft im Kontext der globalen ökologischen Krise ermöglichen würden. Es wurden die Leistungen von zwanzig Designern vorgestellt und sie nach der Spannung zwischen künstlerischer Vision und Umweltbewusstsein befragt. Die Ausstellung bot einen Raum für einen integrativen Dialog mit dem Wunsch, gemeinsam neue Ideen zu entwickeln.

Staging Places Studio ist eine Einladung der Gesellschaft der britischen Theaterdesigner SBTD, um sich zu begegnen.

Ausstellung Fragmente
Selection of Works Juan Gómez-Cornejo/Spanien
Juan Gómez-Cornejo entwickelt gewagte und kühne Atmosphären mit seinem Lichtdesign.

Bestes Erlebnis in der der Ausstellung der Studierenden
Eines der drei ausgezeichnete Projekte ist The Changing Room/Taiwan
Es stellte die theatralische Zuschauer/Performer-Beziehung mit modernster Technologie, traditioneller Charaktererzählung und einem tiefen Sinn für das Spiel neu dar.

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