Gisela Heide: „personare“

Unter dem Titel personare hat die Künstlerin Gisela Heide einen Katalog mit eigenen Arbeiten veröffentlicht, in denen sie sich malerisch mit dem Thema Kleidung auseinandersetzt.

Gisela Heide: „personare“

Wir danken der Kunsthistorikerin Cornelia Kleÿboldt für die Erlaubnis, hier Auszüge aus dem Text zu bringen, den sie zu diesem schönen Band beigetragen hat:

Feinstoff

Anmerkungen zur Malerei von Gisela Heide

Gisela Heide malt Kleidungsstücke. Kleidungsstücke, die als buchstäblich eigenständige Protagonisten, anstelle einer Person oder eines Körpers, als überaus feinstoffliche Präsenzen auf dem offenen, ungrundierten Leinwandraum erscheinen und diese zu einem Raum umgestalten, durch den etwas definiert, umschrieben und erschaffen wird, das als solches nicht gemalt und eher spürbar als sichtbar ist.

Etwas oder jemand ist da, das nicht da ist, dessen Gegenwart aber in zugeschnittenen Stoffen, Mustern und Hintergründen angegeben ist und eben dort zu atmen scheint. Die bemalte oder besser „charakterisierte“ Leinwand wird zu einem Feld von Hinweisen auf etwas oder jemanden, auf Gefühle, Eigenschaften, Träume, auf Lebenszeiten oder Augenblicke und nicht zuletzt auf eine darin eingebundene Persönlichkeit in einer bestimmten Situation. Per-Sonare heißt „hindurch klingen“ und es ist, als hätten eben jene Kleidungsstücke die Eigenschaft des „Hindurchklingens“. Sie sind wie Filter oder Lochmasken, die aus der Gesamtheit der Möglichkeiten etwas Bestimmtes herausfiltern und hindurch klingen lassen.

Die Künstlerin arbeitet in „Positiven“ und „Negativen“. Das eine steht in enger Beziehung zum anderen. Das eine gibt es nicht ohne das andere, das eine kann nicht ohne das andere entstehen. Bemalte Leinwand und unbemalte, offene Leinwandparzellen, die von ihrer Umgebung ummantelt werden – mal als Körperform, mal als ein Stoffmuster, mal als ungebundenes Hintergrundmuster – wirken zusammen an einem Bildergebnis, an jenem schwebenden Eindruck, der weit über das Bildobjekt hinausreicht und die Fantasie und das Erinnerungsvermögen des Betrachters in Bewegung zu versetzen vermag.

Kleider umschließen Körper. Umschließen das Äußere, an das nahtlos der Innenraum anschließt. Kleider sind Körperhüllen und sind das geschminkte Gesicht dieses Körpers. Sind der Schutz, das Bild, in dem sich der Körper sehen will, in dem der Körper gesehen und wahrgenommen wird. Kleider machen Leute. Sie künden vom Träger, vom Lebensgefühl und von sozialer Stellung, vom Geschmack und vom Beruf, von der Seele und von der Erinnerung des Körpers.

© Cornelia Kleÿboldt, M. A.

Die folgenden beiden Bilder zeigen beispielhaft, dass in Gisela Heides Malerei etwas zum Ausdruck kommt, was uns als Kostümbildner/-innen und Kostümschaffende angeht:

„Mantel

„Mantel“, Eitempera auf Leinwand, 195 x 95 cm (2007)

„Kleid mit Schmetterlingen“, Acryl auf Leinwand, 209 x 86 cm (2005)

„Kleid mit Schmetterlingen“, Acryl auf Leinwand, 209 x 86 cm (2005)

Weitere Bilder bietet die Homepage von Gisela Heide. Siehe hier …

Gisela Heide: „personare“
(mit Texten von Cornelia Kleÿboldt und Birgit Sonna)
120 Seiten, 76 Abbildungen, Hardcover
Bezirk Oberbayern München & Kunstverein Ebersberg e. V., 2009
ISBN 978-3-00-028677-3

Der Katalog kann für € 20,00 zzgl. Versandkosten über info@gisela-heide.de bei der Künstlerin bezogen werden.

Die Homepage von Cornelia Kleÿboldt ist ebenfalls einen Ausflug wert. Siehe hier …

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