Walter Schütze: Wie werden Bühnen- und Kostümbildner von der Presse wahrgenommen?

In diesem Artikel reflektiert Walter Schütze, Bühnen- und Kostümbildner und Mitglied des Bundes der Szenografen, warum in den Rezensionen des Feuilleton der Presse und den Medien die künstlerische Arbeit von Bühnen- und Kostümbildner/-innen kaum Erwähnung findet.

Liegt es an der Unterbesetzung von interessierten Kulturjournalisten in den Kulturressorts? Oder bleiben wir Bühnen- und Kostümbildner lieber im Hintergrund, obwohl wir einen maßgeblichen Einfluß auf die Bildsprache der Bühnenproduktionen haben?

Walter Schütze spricht aus seiner Erfahrung und macht Mut, sich klarer zu positionieren.

Vielen Dank für diesen Beitrag.
 

In den letzten Jahren habe ich hauptsächlich für die Oper gearbeitet, hier den Part des Bühnen- und/oder Kostümbildners bei Produktionen verschiedener Regisseure übernommen. Und da klafft, wie vielen von Euch vermutlich bekannt ist, die Wahrnehmung der Presse und die des Publikums noch weiter auseinander als etwa beim Sprechtheater oder beim Musical. Besucher von im Vorfeld von Premieren stattfindenden Opern-Soirèes wollen viel häufiger wissen, wie die Kostüme aussehen werden, als was der Regisseur sich denkt. Hingegen werden die KostümbildnerInnen in der Presse dann meist gar nicht, die BühnenbildnerInnen wenn überhaupt zunehmend nur noch in Klammern genannt.
 
Ich glaube allerdings nicht, dass man das der Presse alleine vorwerfen kann. Allenfalls kann man bei einigen Zeitungen, insbesondere lokalen, kritisieren, dass sie ihre Kulturressorts wohl aus Kostengründen nur noch stiefmütterlich behandeln, somit nicht jeder Theater- und Opernkritiker auch Ahnung von Theater- und/oder Oper hat. In den großen Fachzeitschriften finden Bühne und Kostüm ja auffallend mehr Beachtung als in der Tagespresse. Die Kritiken der örtlichen Käseblättchen sind aber meist schneller im Netz, werden damit am meisten gelesen, bleiben damit bei Google an erster Stelle, während man die fundierten Kritiken wenn überhaupt auf den hinteren Suchplätzen findet. Die nächtlich schnell hingerotzte Rezension setzt sich somit durch. Davon kann ich ein Lied singen. Jedes dritte Mal ist mein Name falsch geschrieben. Und da wird ja durchaus auch voneinander abgeschrieben. Mitunter setzt sich die falsche Schreibweise bis auf das Plakat der folgenden Produktion durch. Aber wem erzähle ich das? Sowas kennt Ihr vermutlich alle.
 
Und gerade deswegen kommt es eben auch darauf an, wie sich ein Team als Ganzes verkauft. Ich kenne da beide Varianten. Es gibt den Regisseur (und hier schreibe ich ganz bewusst kein „Innen“ dahinter), der die Pressetermine wissend und willentlich ohne die Kolleginnen und Kollegen des Bühnen- und Kostümbildes vereinbart und absolviert. Das ist im Allgemeinen der Regisseur, dem man nur flüsternd und nur an der Raucherecke im Hinterhof sagen kann, was einem während der Proben aufgefallen ist. Kommt Euch bekannt vor? Und es gibt Regisseurinnen und Regisseure, die die Interviews im Vorfeld einer Premiere mit den Kollegen des Teams zusammen begehen. Das sind jene, mit denen man auch während der Proben als Team auftritt und durchaus im Rahmen der Produktion öffentlich eigene Meinung einfließen lassen kann. Ein Bühnen- oder Kostümbildner, der im Vorfeld einer Produktion interviewt wurde, findet auch umfassende Erwähnung in der darauffolgenden Kritik, ob die nun gut oder schlecht ist.
 
Aber, und das wiederum sage ich aus meiner (bisher nur einmaligen) Erfahrung als Regisseur: Man muss das schon auch wollen. Presse und Publikum gehen mit Regisseurinnen und Regisseuren ganz anders ins Gericht als mit jeder Bühnenbildnerin und jedem Kostümbildner. PR via Kritik ohne das Risiko von Anfeindungen unter der Gürtellinie gibt es nun mal leider auch nicht. Und ich glaube, es hat sich noch keiner von uns beschwert, wenn wir in schlechten Kritiken nicht erwähnt werden. Womit ich beim nächsten Punkt wäre. Es ist ja wirklich nicht so, dass sich alle Bühnen- und Kostümbildner um Öffentlichkeitsarbeit bemühen würden. Im Gegenteil gibt es durchaus sehr viele, die sich auch ein Stück weit hinter dem Regisseur verstecken oder, um es positiver zu formulieren, in Bescheidenheit in den Hintergrund treten. Da gibt es sogar sehr berühmte Beispiele. Und das ist ja auch ok so, denn das mag jeder handhaben, wie er es für richtig hält. Es gab durchaus Zeiten, die noch nicht so lange her sind, zu denen überhaupt so gut wie nie Bühnen- und/oder KostümbildnerInnen in den Rezensionen der Presse genannt wurden. Im europäischen Ausland ist das weitverbreitet heute noch so.
 
Und es ist, entschuldigt, wenn ich da Einigen von Euch widerspreche, natürlich auch nicht immer so, dass das Kostüm- und Bühnenbild gleich aufwendig wären. Manchmal ist das so. Manchmal aber auch nicht. Oft ist das Bühnenbild, genauso oft aber auch das Kostümbild aufwendiger. Wenn ich eine Oper mit 120 Darstellern in einer grauen Kiste spielen lasse, dann kann das Kostümbild sogar wesentlich aufwendiger sein. Ich stimme aber natürlich zu, dass vor allem Kostümbildnerinnen (und diesmal ist das innen bewusst klein geschrieben, denn es betrifft hauptsächlich Kolleginnen) unverhältnismäßig schlecht bezahlt werden. Mich hat vor einigen Jahren eine sehr bekannte Berliner Intendantin (in Weiß) mal gefragt, warum das so sei. Ihr könnt Euch vorstellen, dass mir da die Spucke weggeblieben ist. Also wenn sie’s nicht weiß…
 
Schlimm genug, dass wir Bühnen- und KostümbildnerInnen mit dem Verweis auf klamme Kassen der Kommunen zunehmend immer schlechter bezahlt werden. Und die beim Bund der Szenografen engagierten Kollegen leisten in dieser Hinsicht wirklich schon Großes. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank dafür. Was das Missverhältnis der Bezahlung der verschiedenen Mitglieder eines Regieteams betrifft, gilt es aber vor allem erstmal, dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen lassen. Wie oft habe ich mich schon über Kollegen geärgert, die ohne Not für Nichts oder so gut wie Nichts arbeiten. Ein Stück weit bestimmen auch wir selbst unseren Marktpreis. Und glaubt mir, ich argumentiere nicht aus einer Luxussituation heraus. Im Gegenteil. Trotzdem weiß ich, dass es manchmal einfach sinnvoller ist, nein zu sagen.
 
Und wir müssen das natürlich auch ein Stück weit mit unseren Regisseuren und den Theatern klären. Wer von Euch kennt denn das jeweilige Regiehonorar bei Euren Produktionen? Also ich meistens nicht. Die Presse und die Honorarabstufungen geben auch wieder, wie ein Team sich nach außen darstellt. Was spricht dagegen, mit dem Regisseur gemeinsam in die Verhandlung zu gehen? Ich weiß, das ist selten, gibt’s aber und führt meiner Erfahrung nach auch insgesamt zu einer besseren Produktionsatmosphäre. Warum nicht auch diesbezüglich für mehr Transparenz kämpfen? Wenn ich weiß, dass der Regisseur, mit dem ich arbeite, das gleiche Honorar wie ich bekommt, dann gehe ich doch auch selbst ganz anders heran, als wenn ich die ganze Zeit im Hinterkopf habe: Der stößt sich hier gerade reich, während ich den schlecht bezahlten Dienstleister gebe. Ich weiß natürlich, dafür braucht es auch die aufgeschlossenen Regisseurinnen und Regisseure, vielleicht aber auch einfach neue vertragliche Regelungen. Das Ganze erinnert ein bisschen an die Diskussion von vor ein paar Jahren, ob die Bühnen- und KostümbildnerInnen nun auch Kunst machen oder nicht, sprich, wie die Regisseure mit einer Umsatzsteuer von sieben statt neunzehn Prozent veranschlagt werden. Eine heute wie damals absurde Diskussion.
 
Abschließend sei aber nochmals die Hauptproblematik angesprochen: Theater, insbesondere die staatlichen und städtischen, haben kein Recht der Welt unter dem Deckmantel der Kultur Kulturschaffende auszubeuten. Es liegt ein Stück weit an uns selbst, uns nicht ausbeuten oder hinsichtlich unserer Urheberrechte über den Tisch ziehen zu lassen.
Ich sage immer, das ist kein Hobby, sondern mein Beruf.

Symposium: Transformation of the Prague Quadrennial since 1999

Die Prager Quadriennale ist die internationale Plattform für Bühnen- und Kostümbildner.

Geladen waren zu diesem zweitägigen Symposium in Prag vom 17. bis 18. März 2016 internationale Vertreter der Kunsthochschulen, Verbände und Künstler, die auf der PQ 2015 vertreten waren.

Mitglieder des Bundes der Szenografen waren vor Ort und haben an diesem Kongress teilgenommen

In kurzen Vortragsreihen wurden von unseren internationalen Kollegen und Professoren für Szenografie vergangene PQ-Ausstellungskonzepte und Positionen aufgezeigt und die sich daraus ergebenden künstlerische Zukunftsvisionen in Wort und Bild vorgestellt.

In 20 Vorträgen zeichnete sich für mich folgende Transformation des künstlerischen Arbeitsfeldes des Szenenbildners ab, wofür meines Erachtens die Bildungs- und kulturpolitischen Positionen der jeweiligen Länder erheblich dazu beitragen.

Am Entstehen sind neue theatralische Formen wie Performative Kunst, Performative Installationen, temporäre Spielstätten, Performative Räume, Live Performances…
Der Szenenbildner verlässt das Theater, eröffnet neue Spiel-Räume, virtuelle Räume mit digitalen Techniken. Er wird damit unabhängig von einer Regie, auch von ausgebildeten Schauspielern, bindet Passanten, Besucher und Zuschauer in seine Performance oder in seinen Performativen Raum ein. In dem Spielraum findet ein Spiel statt unter selbst inszenierten Gesetzmäßigkeiten.

Dies ist eine wichtiges szenisches Voranschreiten, um der Kreativität und dem erworbenem Know-How an digitalen Techniken Rechnung zu tragen. Ein Künstler, der sich mit Szenenbild, mit seiner Umwelt und gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzt, kommt nicht umhin, sich auch andere Räume für seine Kreativität zu erschließen. Er emanzipiert sich von überkommenen Arbeitszusammenhängen, da diese in dem Maße nicht mehr vorhanden sind oder auch diese neue künstlerische Ansätze nicht zulassen.

In den letzten Jahrzehnten war dieser Beruf als Szenenbildner ausgerichtet auf das Erschaffen von Bühnenräume für den theatralischen Zusammenhang in traditionell strukturierten und geleiteten Theaterhäusern. Die Ausbildungsplätze für diesen Beruf war kontingentiert, die Studiengänge für Bühnen- und Kostümbild waren elitär aufgestellt.

Nun zeichnet sich durch die anhaltende europaweite Sparpolitik im Bildungs- und Kultursektor ein Trend ab. Zum einen werden in den Hochschulen in den Studiengängen Szenenbild und Szenografie nun nicht mehr ein kleiner Kreis von Studenten aufgenommen, sondern es müssen Studienplatzzahlen erfüllt werden, ungeachtet der sich z.B. in Deutschland abzeichnenden Auflösungen von Theaterspielstätten, Sparten und Infrastrukturen. Zum anderen stieg in den letzten 20 Jahren an den Theatern mit reduziertem Haushaltsetat die Anzahl der Produktionen, um eine optimale Auslastung zu erreichen.

Fazit: Es werden europaweit mehr Szenografen ausgebildet als der Arbeitsmarkt an den Theatern aufnehmen kann und viele Kollegen, die an den Theatern z.B. in Deutschland arbeiten, werden für ihre professionelle Arbeit so niedrig entlohnt, dass man von einem Arbeitsverhältnis nicht mehr sprechen kann. Wir werden zu ”Sponsoren” für die Kulturbetriebe.

Wir tragen die Kosten der Bildungs- und Kultur-Sparpolitik!!

Auch wenn sich der Szenenbildner andere Rahmenbedingungen sucht, um seine Performativen Räume zu installieren. Er wird in vielen Fällen sein eigener Fundraiser und Installationstechniker sein und eine Public Relations Abteilung aufstellen müssen.

Im besten Falle wird die performative Kunst Einzug in die Theater halten, Kulturpolitiker werden geladen und Bestandteil interaktiver Spiele, sie werden begeistert sein.

Die Performative Kunst kann ich nur begrüßen, weil sie kreativ, zeitnah und spielerisch sein kann. Sie ist eine von vielen Spielfeldern für Szenenbildner, Architekten, Videokünstler und Lichtdesigner.

Dennoch stellt sich für mich die Frage, an wen können wir unsere Sponsorenrolle wieder abgeben?

Auf Youtube ist das Symposium Transformation of Prague Quadrennial since 1999 in 9 Filmen zu sehen.

Neue Gruppe eröffnet: Über den Tisch gezogen!

wir suchen, wir brauchen, wir hätten gerne…professionelle Arbeit für low-budget and no-budget

In dieser Gruppe können Sie Ihre Erfahrungen als freischaffende Bühnen- und Kostümbildner/-innen und Kostümschaffende (Gewandmeister, Schneider) für das Theater, für Theaterfestivals, den Film und für die freie Theater- und Tanzszene veröffentlichen. Beiträge in dieser Gruppe können unsere Kollegen/-innen dafür sensibilisieren ”nicht über den Tisch gezogen zu werden”.

Beiträge über faire Arbeitsbedingungen sind natürlich auch willkommen!

Es sind bereits zwei Beiträge zu diesem Thema in dieser Gruppe veröffentlicht.

Hier geht es zur privaten Gruppe ”Über den Tisch gezogen”

Das Wetter in Prag und die deutsche Kulturpolitik

Zum Wetter!
Auf der Prager Quadriennale zeigten wir in der Installation „The Cloud“ mit Skizzen und Fotos von 168 Bühnen- und Kostümbildner/-innen, wie vielfältig und sinnstiftend die künstlerischen Beiträge Schauspiel- und Opernproduktionen prägen.

Zur Kulturpolitik!
Ausgehend davon, dass die Bühnen in Deutschland einen kulturellen Auftrag zu erfüllen haben, dafür steht ihnen ja ein Finanzhaushalt zur Verfügung, frage ich ich mich schon seit geraumer Zeit, wie diese Haushaltsmittel verteilt werden.
Bei den Gagen für Bühnen- und Kostümbildner/-innen gibt es kein Korrektiv.

Es gibt Gagen für „Leuchtürme“ und Gagenangebote für „Glühwürmchen”.

Der künstlerische Auftrag und das Arbeitsvolumen für Schauspiel- und Opernproduktionen, sei es an einem Staatstheater oder ein Stadttheater, sind miteinander vergleichbar und doch sind die Gagenangebote inzwischen in vielen Fällen obszön, Verhandlungsspielraum gibt es nicht und es wird erwartet, dass unser Berufsstand dazu bereit ist, durch ihre künstlerische „Sponsorenleistungen”, den Kulturbetrieb aufrecht zu erhalten.

Was könnte diesem Gagen-Dumping Einhalt gebieten?

Der Bund der Szenografen e.V. plant für den Herbst 2015 eine Befragung zur Arbeitssituation freiberuflich tätiger Kostüm- und Bühnenbildner/-innen. Damit soll erstmalig in der Bundesrepublik die Arbeitswirklichkeit dieser Berufsgruppe umfassend ermittelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Wir laden alle Kollegen/-innen zu unserer Vollversammlung ein.
Sie wird am 26. September 2015 um 14:00 Uhr im Zelt vom Theaterhaus Mitte,
Wallstraße 32 in 10179 Berlin stattfinden.

Auf der Vollversammlung werden wir den Fragebogen vorstellen, der zum einen eine Erhebung der Gagen sein wird, die wir für unsere Arbeit als Bühnen- und Kostümbildner in den Kulturbetrieben durchschnittlich angeboten bekommen. Zum anderen werden wir durch Fragen zu den Arbeitsbedingungen an den Opern- und Schauspielhäusern, Fakten sammeln und aufbereiten, um mit einem Reformpaket für unseren Berufsstand einen kulturpolitischen Diskurs führen zu können.

iSFF Berlin: Interview mit Anja Niehaus zu der Fortbildung für Kostümbildner/-innen

Das Institut für Schauspiel, Film-, Fernsehberufe iSFF bietet in einem Lehrgang eine gezielte Fortbildung für die Tätigkeit als Kostümbildner/-in bei Film- Fernseh- und Werbeproduktionen an. Es werden anhand aktueller Drehbücher Kostümentwürfe erstellt. Branchenprofis vermitteln das gestalterische und organisatorische Know-how. Jeder Teilnehmer erarbeitet eine Präsentation seiner im Lehrgang entwickelten Entwürfe, die einem Produzenten, einem Regisseur und einem Producer vorgestellt werden.

Leitung: Anja Niehaus und Dozententeam

Hier ein Interview mit Anja Niehaus über die Inhalte der Fortbildung:

Dieser Lehrgang kann von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden.

Fortbildungszeitraum: 24.11.2014 – 6.2.2015 | Mo – Fr 10.00-17.45 Uhr.

Weitere Informationen siehe hier.

iSFF Berlin: Szenenbild-Fortbildung für Bühnenbildner, Architekten und Innenarchitekten

Das Institut für Schauspiel, Film-, Fernsehberufe iSFF bietet in einem praxisorientierten Lehrgang eine gezielte Fortbildung für die Tätigkeit als Szenenbildner/-in bei Film-, Fernseh- und Werbeproduktionen an.

Neben der Vermittlung ästhetischer Grundlagen erhalten die Teilnehmer einen Überblick über die Strukturen, Arbeitsabläufe und Berufsbilder bei Film- und Fernsehproduktionen im nationalen und internationalen Raum.

Zum Abschluss des Lehrgangs erarbeitet jede/-r Teilnehmer/-in eine Präsentation ihrer/seiner Entwürfe, die Experten der Branche vorgestellt werden.

Leitung: Annette Ganders-Adlon, Annette Kuhn und Gastdozenten

Hier ein Interview mit Annette Ganders-Adlon über die Inhalte der Fortbildung:

 

Dieser Lehrgang kann von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden.

Fortbildungszeitraum: 24.11.2014-06.02.2015 | Mo.-Fr. 10:00-17:45 Uhr.

Weitere Informationen siehe hier.

NDR: Das Kulturjournal spricht mit Theaterschaffenden über die bestehende Steuerpolitik

Gesendet am 14. Oktober um 22:45 Uhr

 

Ungerechte Steuerpolitik für Theatermacher – Warum Bühnenbildner in ihrer Existenz bedroht sind
Wenn das Finanzamt sich meldet, ist das oft kein Grund zur Freude. Viele freischaffende Bühnen- und Kostümbildner trifft es allerdings gerade besonders hart: Denn statt bislang 7 Prozent Umsatzsteuer müssen sie nun oft 19 Prozent abführen. Gerade Berufsanfänger, die ohnehin keine hohen Honorare bekommen, sind durch diese Erhöhung in ihrer Existenz bedroht. Die höhere Steuer müssen sie aus der eigenen Tasche bezahlen, von den Theatern bekommen sie nicht mehr. Auch einige etablierte Bühnenbildner müssen hohe Summen für die letzten sechs Jahre nachzahlen. Regisseure und Choreographen dagegen sind neuerdings von der Umsatzsteuer befreit. Eine Ungleichbehandlung, die nur schwer nachzuvollziehen ist. Das Kulturjournal spricht mit Theaterschaffenden über diese Steuerpolitik und die Folgen für die Theater.

München: Eine Solidaritätserklärung

Ich freue mich, Herrn Fabian Iberls Solidaritätserklärung hier auf dem Blog veröffentlichen zu können. Als Ingenieur für Theatertechnik hat er einen klaren Blick auf die ungeklärte und widersprüchliche Praxis der Finanzämter, Theatergagen der Kostüm- und Bühnenbildner mit 19 % Umsatzsteuer zu belegen.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Unbehagen habe ich in der frisch erschienen Bühnentechnischen Rundschau als erstes den Artikel “Bühnen- und Kostümbild: Kunst oder Dienstleistung” gelesen. Ich bin Konstrukteur und stellvertretender Werkstättenleiter an an einem der Münchner Theater und habe in dieser Funktion täglich mit Szenografen zu tun. Ich muss zugeben, dass mir die Problematik Umsatzsteuergesetz im Zusammenhang mit den Gagen der Kostüm- und Bühnebildner bisher so nicht bewusst war. Als nebenberuflich auf eigene Rechnung arbeitendes “Ein-Mann-Kleinunternehmen” (Ingenieur für Theatertechnik) ist mir der Umgang mit dem Umsatzsteuergesetz jedoch bestens vertraut.

Beim Lesen des Textes ist mir aufgefallen, dass die Handhabung der Umsatzsteuer in der freien Wirtschaft grobe Differenzen zu der im Fall der Künstlergagen am Theater aufweist. Meine Gedanken sind folgende:

In der freien Wirtschaft ist die Umsatzsteuer für die Unternehmen/Dienstleister/Firmen usw. ein Durchlaufposten. Die Umsatzsteuer bezahlt am Ende der Konsument/Kunde/Endverbraucher. Das zeigt sich daran, dass Unternehmen die auf ihre eigenen Einkäufe entfallende Umsatzsteuer mit den von Endverbrauchern vereinnahmten Umsatzsteuerbeträgen verrechnen. Die Unternehmen übernehmen damit zwar die formale Abwicklung und die damit verbundene Bürokratie der Umsatzsteuereinnahmen, tatsächlich bezahlen tut die Umsatzsteuer aber der Verbraucher. Bei der Umsatzsteuer handelt es sich im Grunde genommen um eine Konsumsteuer, deren Bezeichnung unglücklich gewählt wurde.

Anders offensichtlich bei den Künstlergagen am Theater: hier sollen die Künstler die Umsatzsteuern sozusagen stellvertretend für die eigentlichen “Endverbraucher”, nämlich die Theater bezahlen. Mit einem fadenscheinigen Argument obendrein: die Kassen der Theater sind klamm, deshalb lässt sich die Umsatzsteuer nicht an den Endverbraucher Theater durchreichen. Das ist aber ein Totschlagargument, das vor allem von der Tatsache geschürt wird, dass man die Bezahlung der Künstler einmal als Gage betrachtet (sie sind ja im Grunde genommen so eine Art Arbeitnehmer mit keinerlei Arbeitnehmerrechten wie Kündigungsschutz oder ähnlichem) und andererseits als Brutto-Rechnungsbetrag, der für das künstlerische Auftragswerk vom Theater als Kunde zu entrichten ist.

Überträgt man die in der freien Wirtschaft selbstverständliche Praxis in Sachen Umsatzsteuer auf das Theater, zeigt sich die Groteske der Situation: da die meisten Theater öffentlich finanziert sind, fordern die Finanzämter im Grunde genommen Geld von sich selbst.

Die für die Kostüm- und Bühnenbildner tragische Situation ist, dass sich in den Theatern bei Vertragsverhandlungen die unappetitliche Praxis etabliert hat, eine Bruttogage zu verhandeln. Damit wird der schwarze Peter im Spiel mit dem Fiskus auf die Künstler abgewälzt.

Ich kenne aber kein Unternehmen das sich das bieten lassen würde. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer (beispielsweise vor knapp 10 Jahren von 16% auf 19%) musste der Endverbraucher tragen. In der Diskussion um die Anwendung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes von 7% in der Hotelbranche wurde mit der den Konsum ankurbelnden Wirkung argumentiert.

Kauft ein Theater Material für ein Bühnenbild ein, so ist auch hier die Umsatzsteuer vom Theater zu bezahlen. Ich habe beim Einholen von Angeboten bei uns in der Werkstättenleitung jedenfalls noch nie auf einem Angebot den Vermerk gefunden, dass die Umsatzsteuer freundlicherweise die Zulieferfirma übernimmt.

Leider hat es der Gesetzgeber versäumt, für die Künstlerinnen und Künstler einen einheitlich geltenden Umsatzsteuersatz für alle Theaterschaffenden festzulegen. Insofern unterstütze ich Ihren Protest zu voll und ganz. Gleichwohl ist es mir aber ein Anliegen, auf das Kernproblem hinzuweisen. Nicht dass ich so realitätsfern wäre zu glauben, dass sich diese Situation leicht ändern ließe. Aber ich denke, wenn man die Lage so betrachtet, wie eben ausgeführt, wird die Argumentationslinie der Künstlerinnen und Künstler deutlich gestärkt.

Und ein wichtiger Punkt muss dabei auch beachtet werden: ein Durchschnittseinkommen von 11.400 Euro brutto bedeutet, dass diese Leute im Durchschnitt nahe an der offiziellen Armutsgrenze leben. Das tun Unternehmen in der Regel nicht. Zumindest nicht, wenn sie dauerhaft bestehen wollen.

Im Übrigen finde ich natürlich die Aussage Ihres Protestschreibens absolut richtig, dass der reguläre Umsatzsteuersatz im Zusammenhang mit künstlerischen Tätigkeiten in keinerlei Weise gerechtfertigt ist. Auch hier fördert der Gedankenansatz, dass die Umsatzsteuer stets vom Endverbraucher geschuldet wird, Interessantes zu Tage: Auf Konzert- und Theaterkarten wird der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7% erhoben, ebenso wie auf das Kulturgut Buch. Warum sollte der Theaterbesuch dieser Art der staatlichen Förderung unterliegen, wenn die Theatermacher wie Unternehmen der freien Wirtschaft betrachtet werden?

Ich hoffe, dass sowohl meine Gedanken als auch meine Solidarität den Künstlerinnen und Künstlern gegenüber durch diese Zeilen verständlich zum Ausdruck kamen. Ich wünsche Ihnen nun trotz aller ärgerlichen Begebenheiten ein gutes und erfolgreiches Jahr 2013 und verbleibe einstweilen

mit den besten Grüßen aus München

Ihr Fabian Iberl

Petra Wellenstein: „Mein Konzept geht auf“

Redaktion: Thomas Riedel

Über 20.000 Kostüme auf 700 qm

Bei meinem letzten Auftrag als Film-Kostümbildnerin habe ich den Kostüm-Fundus Wellenstein zeitgenössische Kostüme Berlin entdeckt. Unsere Zusammenarbeit war für mich auf Anhieb eine gute Erfahrung und inspirierend. Der Fundus bietet ein ausgesprochen großes und umfangreiches Angebot an zeitgenössischen Kostümen, von heute bis in die 80Jahre und dies in besonders guter, ausgesuchter und exquisiter Qualität.

Ich freue mich, dass ich dieses Konzept allen Interessierten und Filmschaffenden vorstellen kann. Petra Wellenstein hat 20 Jahre Berufserfahrung als Kostümbildnerin. Vor vier Jahren startete Sie mit dem Aufbau ihres Kostümfundus, um damit eine Plattform für die Anforderungen von Kostümbildner/-innen und Filmproduktionen zu schaffen.

Petra Wellenstein sagt selbst: „Ich bin eine Idealistin.” Sie hat mir im Gespräch ihre Visionen erläutert, von denen schon einige auf den Weg gebracht wurden.

So gibt es heute einen Online-Fundus, der zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar ist. Dieses Werkzeug ermöglicht nicht nur schnelle Hilfe in den so bekannten Notfällen. Vielmehr bietet es auch die Möglichkeit komplette, bebilderte, den Rollen zugeordnete Leihkalkulationen zu erstellen. Gleichzeitig hat man die ständig wachsende Auswahl immer im Blick. Anproben-Räume stehen zur Verfügung. Kostümbüros sind zur Miete für die Vorbereitung und Durchführung eines Kostümbildes direkt im Fundus integriert. Der Vorteil liegt auf der Hand: es entfallen die leidigen Auswahlgebühren und bietet gleichzeitig eine enorme Zeitersparnis. Der Fundus verfügt ausserdem über vollständiges Equipment für die Ausstattungen von Garderobenabteilungen.

Ein Teil des Konzeptes ist die ständigen Erweiterung des Bestandes. Dies gelingt durch die Kooperationen mit Fernsehsendern (wie dem RBB) und  Filmproduktionen, die bislang für Kostüme nach Drehschluss keine weitere Verwendung hatten. Eine Vertragspartnerschaft bringt einen, in einem völlig neuen Umfang, finanziellen Nutzen.  Das bedeutet im Leihbereich erhebliche Ersparnisse. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit Anschlusskostüme von Fernseh-Serien zu lagern.

PW sagt: „Mein Konzept geht auf! Kostümbildner/-innen und Produktionsfirmen von Film und Fernsehen, die mit mir arbeiten, nutzen den Fundus und die gesamte Logistik mit Begeisterung.”

Ich würde sagen: „Sie ist eine Visionärin.”

Für 2012 hat sie sich vorgenommen ergänzend in der 1. Etage an Ihrem Standort auf 600 qm einen Ort zu schaffen, an dem sich Räume für Werkstätten, Ateliers und Lager befinden, die sich für die textilen Gewerke der Filmbranche eignen.

Auch hier tut sich schon Einiges.

Die „Textile Artists” Petra Wilke und Sonia Rocha, die sich auf die Kunst des Patinierens und Färbens von Kostümen spezialisiert haben, sind schon eine feste Instanz im Hause. Kostümbildner Frank Bohn bezieht gerade sein Atelier und steht im Begriff mit seinem umfangreichen Lager von Tanzkostümen einzuziehen.

Noch gibt es Platz dieses kreative Treiben zu ergänzen. Raumgrößen sind frei definierbar – Die Miete beträgt inklusive Betriebs- und Heizkosten 7.- € netto pro Quadratmeter.

 

Kontakt: Petra Wellenstein
Wellenstein zeitgenössisches Kostüm Berlin
Klarenbachstraße 1 • 10552 Berlin • +49 30 85400320

 

Günter Unterburger: Der Hut ist kein Kleidungsstück!

Unter dem Titel Das Eigenleben der Accessoires fand in der Handwerkskammer München ein Vortrag statt, in dem der in Berlin lebende Bildhauer Günter Unterburger über seine Hutkreationen sprach.

„Der Hut ist kein Kleidungsstück!“

Mit dieser Aussage begann Günter Unterburger seinen Vortrag, und er untermauerte seine These mit einem Rückblick auf die Kulturgeschichte des Hutes.

Für ihn ist der Ursprung des Hutes bei den Naturvölkern zu finden, die Trophäen – insbesondere im Sinn einer Auszeichnung für eine geglückte Jagd – als Kopfschmuck trugen. Der Jäger präsentierte die Trophäe der von ihm erlegten Beute und führte durch diesen Ausweis seiner Geschicklichkeit vor Augen, welcher Status ihm innerhalb seiner Gemeinschaft gebührte. In vergleichbarer Form finden wir heute noch Trophäen wie z. B. den Gamsbart oder die Fasanenfeder als Anstecker an Hüten.

In religiösen Zusammenhängen kommt weniger körperliche Geschicklichkeit zum Tragen, als vielmehr eine geistige Haltung oder ein geistlicher Rang. Für das Erstere kann beispielsweise der Schtreimel der orthodoxen Juden erwähnt werden, für das Letztere unter anderem die Mitra, die der Papst bei repräsentativen Auftritten trägt.

Im Militärischen dient die Kopfbedeckung einer Uniformierung und lässt Hierarchien ablesen. Ähnliches gilt für das Personal von Luft- und Schifffahrtsgesellschaften sowie von verschiedenen anderen Dienstleistern.

Auch in der bürgerlichen Gesellschaft wurden und werden Hüte getragen, an denen der Status der Trägerin oder des Trägers abzulesen ist. Zylinder und Pillbox etwa zeigen die Zugehörigkeit zu einer gehobenen Gesellschaftsschicht an.

In unserem Jahrhundert spielen nun Basecaps eine große Rolle, und das weit über den Bereich des Sportfelds hinaus. Das Tragen dieser Mützen ist nicht schlicht aus praktischen Gründen zu erklären, sondern ist als Bekenntnis zu einer unisexen Sport- und Jugendkultur aufzufassen.

Hieraus leitet Günter Unterburger ab, dass das Tragen einer Kopfbedeckung eine Botschaft beinhaltet. Die Kopfbedeckung fungiert als Zeichen für einen gesellschaftlichen Status oder für eine Gruppenzugehörigkeit; sie ist gleichsam eine semantische Prothese.

Nach seinem Rückblick auf die Kulturgeschichte des Hutes verdeutlichte Günter Unterburger einige Folgerungen für seine eigenen Kreationen.

Bei manchen Modellen greift er bewusst auf Attribute aus dem tradierten Kanon zurück, welche die Trägerin oder den Träger hochherrschaftlich erscheinen lassen, wogegen andere den Kopf wie ein Schutzhelm umhüllen oder auf aerodynamische Formen zurückgreifen, wie sie bei Spoilern an hochtourigen Autos gebräuchlich sind. Wiederum andere lehnen sich an organische Vorbilder an, womit auch morphologische Fehlbildungen oder Auswüchse gemeint sein können.

Alle diese Hüte spielen mit einem Blick, der Zeichen und Abzeichen zu lesen gewohnt ist – aber sie können nie eindeutig entziffert werden. Sie lösen Assoziationen aus, ohne festlegen zu wollen, wohin diese führen. Mithin sind sie Transformatoren: Werden sie aufgesetzt, findet eine Verwandlung statt.

Und als solche Transformatoren besitzen Günter Unterburgers Hüte eine magische Wirkung.

Für weitere Bilder und Informationen siehe hier.